Auenhof!





Rote Bete, leere Beete: Oktober auf dem Auenhof

verfasst von: Anne

am 2017-11-21 18:30:37

Der Oktober ist rum und die Lagerernte noch lange nicht vorbei. Warme Temperaturen um die 15°C – mit einigen fast spätsommerlichen Tagen mit 20 °C – haben dafür gesorgt, dass es im Boden weiterhin kräftig arbeitete und dass an eine kühle Lagerung des geernteten Gemüse gar nicht zu denken war. So ließen wir es mit der Herbsternte in diesem Jahr ganz langsam angehen.

Als die Kürbisse Mitte des Monats alle ordentlich sortiert im Keller verstaut waren und dort weiterhin Temperaturen um die 15°C genießen dürfen, ging es an die Weißkohl- und Spitzkohlernte. Auf unserem letzten SoLawi-Wochenende für dieses Jahr wurden die Kohlköpfe vom Feld geholt und ein Großteil gleich weiter zu Sauerkraut verarbeitet. Vielen Dank an die fleißigen Helfer! Der restliche Kohl wurde zu einer großen Kohlmiete im Stall aufgeschichtet und hatte es gleich mal mit Außentemperaturen um die 20 °C zu tun. Das geht auf Dauer nicht gut und so kommt es, dass wir davon jetzt schon wieder Kohlköpfe an euch verschicken, weil sie bei der Wärme leider schnell anfangen zu gammeln. Im letzten Jahr hatten sie leichte Frostschäden, dieses Jahr ist es zu warm… Vielleicht finden wir ja nächstes Jahr den optimalen Zeitpunkt!



Ende des Monats wagten wir uns bei sinkenden Temperaturen an die Ernte von Sellerie und Roter Bete. Wir konnten einige Säcke füllen und in unserer auf dem SoLawi-Wochenende ausgehobenen „Erdmiete“ verstauen. Das ist eine etwa 1,50m tiefe Grube in der Erde, die mit engmaschigem Draht gegen Mäuse gesichert und nach oben hin mit Stroh abgedeckt wird. So bleibt das Gemüse kühl und feucht, ist aber durch das Stroh vor Frost geschützt. Leider sind die Mengen nicht so groß wie im letzten Jahr. Vor allem die rote Bete ist sehr spärlich gewachsen. Von anderen Bauern in Brandenburg hören wir Ähnliches…

Tja, da könnte man jetzt denken: Entspannte Ernte – entspannter Monat? Nicht ganz. Für Spannung und Dynamik sorgte, vor allem für Johanna und Jochen, ein voller Kalender mit vielen Auswärtsterminen und Hofbesuchen. Zudem setzte uns gleich zu Beginn des Monats Sturmtief Xavier kräftig zu. Das Dach wurde zum Teil abgedeckt, die zwei Weiden auf dem Hof hat es umgehauen und unser Auto wurde von einem Ast getroffen, der die Windschutzscheibe einschlug und dem Kotflügel eine Delle verpasste. Die Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten haben uns eine ganze Weile in Schach gehalten. Da können wir eigentlich nur froh sein, dass der Folientunnel immer noch nicht steht, so dass wenigstens der Folie nichts passiert ist :-) Der November darf jetzt gerne ein bisschen ruhiger werden.







Kürbis, Kohl und Knollen

verfasst von: Nico

am 2017-10-11 20:27:58

Hier mal eine Zusammenfassung des August und September. Der Sommer ist wohl vorüber, die Niederschläge nicht. Im Gegensatz zu anderen hatten wir aber noch Glück mit unserer Fläche, wo der Grundwasserstand sehr niedrig ist. Manch einer spricht von Jahrhundertniederschlägen, andere sagen, dass am Ende das Jahresmittel wieder so sein wird wie sonst und nur die Verteilung ungewöhnlich ist. Wir werden sehen...

Wir hatten jedenfalls einen guten Sommer. Im August war das Hoffest, dieses Mal wohlwissend in die wärmere Jahreszeit gelegt, um nicht wieder wie im letzten Jahr von einer Kaltfront zu den Eisheiligen "überrascht" zu werden. Es waren einige Freunde und Bekannte da, auch neue und neugierige Gesichter. Insgesamt war es aber ein ruhigeres und weniger aufwendiges Fest als voriges Jahr, was wir auch bewusst so gestaltet hatten. Besonders war der Auftritt der Band "Prignitz Folk" aus der Region, die den Hof einige Stunden mit Klängen von Flöten, Geige, Gitarren, Trommeln und anderer Instrumente bereichert haben. Und auch die ein oder anderen lustigen Zufallsbegegnungen kamen auf dem Fest zustande.



Der August war auch zugleich unser Urlaubsmonat. Die meisten Kulturen waren gepflanzt, die Kulturpflege wie Hacken und Jäten war inzwischen überschaubar, die Zwiebeln waren drin, zu bewässern gab es nichts. So konnten die GärtnerInnen auch mal für länger den Hof verlassen, während andere die Stellung gehalten haben.

Nach der sehr reichlichen Zwiebelernte ging es dann im September weiter mit den Kürbissen, und auf dem September-Arbeitseinsatz machten wir rotes Sauerkraut aus dem Rotkohl, welcher vorzeitig anfing zu gammeln. Auch auf der Baustelle konnte man einen stetigen Prozess beobachten; die Träger eingebaut, der Putz von den Wänden, die Fenster gemacht. Die Planung und Vorbereitung für den Grundofen und den Lehmputz liefen weiter.



Auch neuen "Zuwachs" gab es: Die Motorhacke Hakorette 5003 ("Haggo"), top gewartet, dicht und funktionsbereit wurde für uns von Jochen Eltern Willi und Heidrun hilfsbereit aus dem Schwabeländle von Deutschlands Hakorette-Spezi abgeholt, gleich darauf unter Willis Aufsicht getestet und für gut befunden. Das gute Stück ersetzt nun unsere "Alte", die nach der Zwiebelernte durch war und jetzt als Ersatzteillager dienen soll. Gleich darauf holten wir uns noch einen passenden Hänger von einem Freund, so dass jetzt das Hako-Mobil das Ackern deutlich erleichtert und daneben auch noch Spaß macht.
So wird der Acker allmählich abgeräumt und Gründüngung zur Überwinterung ausgesät. Die Tomatenpflanzen liegen schon seit Ende August ausgerissen auf einem Haufen, dahingerafft durch das feuchte Wetter. Wintersalate werden gepflanzt. Das Saisonende ist deutlich zu spüren. Wir bangen noch ein wenig um unsere Lagerkulturen. Wieviel werden wir nach diesem regen- und krankheitsreichen Sommer ernten? Zwiebeln gingen sehr gut in diesem Jahr, und auch mit dem Kürbis war es dieses Mal deutlich besser. Bleiben noch Kohl und Knollen...







Die Leiden der jungen Gärtner(innen)

verfasst von: Jochen

am 2017-10-11 18:37:03

Was ein verrückter Juli . Erst war es viel zu kalt und die Pflanzen hatten keine Lust mehr zu wachsen, die Tomaten wollten nicht rot werden und wir standen ungläubig daneben. Dann wurde es wärmer und es fing an zu kübeln,…. Was da runter kam!? Wahnsinn! Fast die Hälfte des Jahresdurchschnitts innerhalb eines Monats! Um uns herum war ein Betrieb nach dem anderen abgesoffen, Kreutery in Oranienburg, Keimzelle (deren Kartoffeln ihr bekommen habt), Sternhof, Kuhhorst und und… auch an uns ist der viele Regen nicht spurlos vorübergezogen, verschiedenste Krankheiten suchen unseren Acker seitdem heim (Fäulnis am Rotkohl, Eisenfleckenkrankheit/Septoria am Sellerie, etc.). Am bittersten und deprimierensten ist es bei den Tomaten. Soviel Arbeit und Vorfreude war da hineingeflossen und verflossen….jetzt verfaulen die Tomaten am voll hängenden Strauch noch ehe sie reif geworden sind. BUHHUUHUU!! Neue Freiland-Sorten, die wir probieren wollten, Tomaten aus der Saatgutbank zur Weitervermehrung, alles mehr oder weniger hinüber. Was wir gerade liefern ist nur ein Bruchteil, von dem was potentiell dagewesen wäre (da ist)… ach du grausamer Sommer. Sogar Onyx hat bei dem Wetter was abbekommen. Strahlenfäule an den Hufen, was normalerweise eine Krankheit ist, die eher im Winter auftreten kann. Aber wir können sie ja auch nicht in Gummistiefel stecken wenn es regnet. Und die Mücken…!!!! Sogar bei Starkregen fliegen sie einem noch unter die Kapuze!!



Aber der Juli hatte ja nicht nur seine schlechten Seiten. Wir haben, glaube ich, noch nie so wenig bewässert (ich glaube, das ist in meiner ganzen 5 jährigen Gärtnererfahrung in Brandenburg noch nicht dagewesen). Und im Vergleich zum letzten Jahr war das ein Segen. Einige Kulturen kommen echt gut damit zu recht, was überrascht z.b. Zucchini, Gurken. Wir hatten ein super Solawi-Wochenende, an dem wir wie die wilden Wintersalate, Kohlrabi etc. gepflanzt, Rote Bete gejätet und Marmelade eingekocht haben. Die Winterkulturen Grünkohl, Raddiccio, Endivie kommen Stück für Stück in die Erde und auf den Acker. Und der Regen hat uns auch den einen oder anderen Tag auf der Baustelle beschert, so dass wir die Träger für die Durchbrüche installierten und man kann schon erahnen wohin die Reise geht. Die neue Gewächshausfolie ist angekommen, doch den nächsten Versuch wollen wir dann im September unternehmen, wenn die Urlaube und das Hoffest vorüber sind. Soweit von uns.
Gehabt euch wohl,
euer Jochen








Alle Mann aufs Feld! Frauen und Kinder zuerst!

verfasst von: Johanna

am 2017-07-28 14:36:45

Der Juni begann mit einem Anfall von Panik. Nach dem großartigen langen Mai-Arbeitswochenende war so viel geschafft - und so viel war noch zu tun. Die Hakorette, dringend für Beetvorbereitungen gebraucht, gab den Geist auf. Unsere Stute Onyx, dringend für Beetvorbereitungen gebraucht, versagte Jochen zweimal kurz hintereinander die Gefolgschaft, lief einmal nach Hause und einmal mitsamt Gerät und Schläuchen quer über den Acker zu Nachbars Hengst. Sie war rossig...
Nun, einige ernste Wörtchen wurden gewechselt. Ich schlug mir innerlich an die Stirn. Das ist ja nun wirklich nichts neues - auf einem Gärtnerhof ist von Mitte Mai bis Ende Juni die Hölle los: nach den Eisheiligen muss alles raus, was noch gewartet hat, gleichzeitig wächst das Unkraut über alle Grenzen und wenn man Pech hat, ist man auch noch pausenlos am Bewässern.
Und so ging jeder in sich und verrückten wir unsere Prioritäten in Richtung Gärtnerei. Neu sind seit dem Juni unsere Gemeinschaftsaktionen am Dienstag, wo wirklich keiner fehlen darf, ob er nun arbeitet oder nicht: das beschert auch Erwin mehr Zeit auf dem Feld - als Support am Ackerrand, als Qualitätsprüfer der neuen Erdbeeren, als Pausenclown, als Rucksackreisender oder Napfkistenbewohner und inzwischen ist er sogar Montagabend bei der Ernte dabei. Früh übt sich.



Also, was haben mir im Juni gemacht? Geackert. Und sonst so? Auf dem Feld gearbeitet. Gegen Ende des Monats entspannte sich - auch Dank eines weiteren, sehr schönen Arbeitswochenendes mit unseren Mitgliedern - endlich alles ein wenig. Zum Glück! Denn jetzt geht die Ernte so richtig los!



P.S. Achja, und das Folienzelt? Ist noch immer ein Folienzelt ohne Folie, und die Tomaten darin noch immer Freilandtomaten: Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better. (Samuel Beckett) - zweimal schon hat die Auenhofmannschaft gegen den Wind verloren. Eine neue Gewächshausfolie ist inzwischen bestellt. Die alte ist von Windes Reißern längst in Stücke gerissen...







Alles neu macht der Mai

verfasst von: Sabeth

am 2017-06-15 10:56:32

Ich bin Sabeth und helfe gelegentlich freiwillig am Hof mit. Eigentlich bin ich Landwirtin und habe eher Erfahrung mit Milchvieh:).
Heute mal ein paar erste Zeilen aus meiner Perspektive.

Tja, der Mai... Wonnemonat? Auf jeden Fall! Die Natur scheint über Nacht doppelt so grün und voll und lebendig; es ist, als vergingen die Tage zweimal so schnell und auch auf dem Acker gibt es diesen magischen Quantensprung. Vielleicht, weil die Lerchen so schön trillern? Die Quickpots quellen nach zwei warmen Tagen jedenfalls plötzlich über und alles muss am besten sofort gepflanzt werden. Das stellt die GärtnerInnen vor große Herausforderungen. Jetzt heißt es klotzen und wahrscheinlich gibt es in jedem Garten einmal im Jahr diesen Zeitpunkt, an dem sich der Gärtner eingestehen muss, dass ihm die Arbeit und das Unkraut über den Kopf wächst. Das wiederum ist dann für einen Moment nicht so wonnig – da hat man sich einen so schönen Plan gemacht...
Aber nachdem dann alle in die Hände gespuckt haben, geht es mit vereinter Kraft weiter – man schafft eben, soviel man schafft und muss darauf vertrauen, dass am Ende schon alles gut und alle satt werden. Und wie wunderschön ist es, dass alles so wächst! Die Beete auf dem Acker füllen sich, es zeigen sich allerorts die ersten Blüten und so langsam ahnt man, dass wir bald mehr ernten werden können.

Zum ganz normalen Wahnsinn, der im Mai auf einem Gärtnerhof herrscht, kam dann noch dazu, dass die heißgeliebte und vielbenutzte Hakorette den Geist aufgegeben hat und nur noch Onyx blieb, um die Bodenbearbeitung zu machen – nur hatte die just in dieser Woche ebenfalls überhaupt keine Lust aufs Ackern und so standen wir dann da... und haben, wie in „guten alten Zeiten“ (also wie letztes Jahr) die Beetvorbereitung mit der Radhacke von Hand gemacht. Zu guter Letzt konnten wir dann noch auf die Fräse vom Nachbarbauern zurückgreifen und so kann jetzt gepflanzt werden, was das Zeug hält. Uff...
Gott sei Dank gab es aber auch einen Haufen SoLawisten, die über Himmelfahrt in Scharen zum Arbeitseinsatz kamen und so einiges weggeschafft haben. Mir kam zu Ohren, dass es ein großartiger Einsatz gewesen sei. Danke an alle, die sich so engagieren! Ihr seid eine große Hilfe!

Der Aufbau der Folientunnels hält uns schon das ganze Frühjahr immer wieder in Atem und nach drei wilden, mutigen Versuchen, dem Wind zu trotzen und die Folie endlich auf das Gerüst zu bekommen, stehen die Tomaten noch immer ohne Dach da. Mal sehen, wann wir dieses Projekt wohl abschließen werden... Wir trainieren jedenfalls unsere Frustrationstoleranz und lernen viel darüber, wie es nicht funktioniert. :)

Und so nimmt es alles seinen Lauf und da es Mai ist und viel zu tun, wird dieser Artikel jetzt auch nicht länger und es gibt auch ausnahmsweise keine Fotos dazu. Den Mai in Worten schön beschrieben hat auch Erich Kästner, und damit wünsche ich euch einen blumigen Sommer und allzeit fröhliches Salat-Essen!

:::

Der Mai

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.







Saisonstart

verfasst von: Anne

am 2017-05-18 18:27:28

Ich bin Anne und seit zwei Monaten als Lehrling auf dem Auenhof – nachdem im letzten Jahr die Gründer_innen zum Großteil noch selbst in der Ausbildung waren. Eine sehr spannende und schöne Ausgangssituation für mich, denn alle wissen noch, wie es sich anfühlt als Lehrling: wie es ist, wenn man jeden Handgriff zum ersten Mal macht; wie schwer es fällt, einen Überblick zu bekommen und dann auch noch zu behalten; wie man immer die Langsamste beim Harken ist... Außerdem bin ich im 2. Aufbaujahr einer Gemüsegärtnerei natürlich richtig nah dran am Betrieb und bekomme viel mehr mit darüber, wie sich bestimmte Strukturen und Verantwortungsbereiche bilden, welche Herausforderungen es immer wieder zu meistern gibt und was es braucht, um 75 Solawist_innen ein Jahr lang mit Gemüse zu versorgen.

Aber bevor ich jetzt abstrakt über den Saisonauftakt und das beginnende Frühjahr schreibe, dachte ich, ich lasse euch einfach mal konkret teilhaben an dem, was ich in meinen ersten zwei Monaten auf dem Auenhof gelernt habe:

1.) Gärtner_innen brauchen viel Geduld. Ob es ein Pferd ist, dass sich mitsamt Leinen und angehängten Geräten lieber drei Mal um sich selbst dreht als geradeaus über den Acker zu laufen; ob es eine Motorhacke ist, die den Zeitplan zur Beetvorbereitung sprengt, weil der Vergaser mal wieder gereinigt werden muss oder ob es der Regen ist, der bestimmte Arbeitsgänge wie z.B. Säen unmöglich macht und das ganze ganze Saatgut verklebt... es hilft leider überhaupt nichts, wütend darüber zu werden.



2.) Auch wenn das Gärtnern der sinngebende Mittelpunkt der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf dem Auenhof ist, haben die Beziehungen zueinander und das soziale Gefüge insgesamt einen mindestens ebenso hohen, wenn nicht sogar höheren Stellenwert. Ein vierstündiges Plenum jede Woche, viel Offenheit, Vertrauen und Einsicht sowie die Bereitschaft, genau über die Punkte zu reden, die weh tun, scheinen das Minimum zu sein, damit alle Konflikte, Bedürfnisse und Wünsche ihren Raum bekommen.

3.) Eigentlich macht man beim Gärtner (fast) immer dasselbe. Säen, pikieren, pflanzen, Beete vorbereiten, hacken, jäten, ernten. Spannend wird es dadurch, dass man mit verschiedenen Pflanzkulturen zu tun hat und natürlich ganz eng an die Jahreszeiten und die sich ständig verändernde Natur angebunden ist. Gerade ist Frühling und endlich blüht es wieder und sprießt und es ist schön zu sehen, wie sich der Acker wieder füllt. Und ich warte mit Spannung darauf, wann es mit dem Ernten wieder so richtig los geht.



4.) Wenn man einen Folientunnel aus DDR-Zeiten kauft, ihn abbaut und ihn dann versucht wieder aufzubauen, braucht man noch mehr Geduld als für Pferde und Motorhacken.





5.) Nachtfröste im Frühjahr sind einer der wenigen Faktoren, die Gärtner_innen aus der Ruhe bringen können. In diesem ziemlich kühlen (aber dafür regenreichen) Frühjahr ist das schon mehrmals vorgekommen. Mitte April sollte die Temperatur nachts einmal über mehrere Stunden auf -4 °C absinken. Da wurde dann der Anzuchttunnel mit einem Gasbrenner beheizt, in den Frühbeetkästen standen 20 Grabkerzen, auf dem Acker wurde alles, was geht, mit Vliesen abgedeckt und wir haben überall Baldrianextrakt versprüht. Obwohl viele Horrorgeschichten von anderen Betrieben und deren Verlusten bei Nachtfrösten erzählt wurden, ist es bei uns sehr glimpflich ausgegangen. Ein paar getopfte Basilikum und der Mangold auf dem Acker sind die einzigen Kulturen, die (leichte) Frostschäden erlitten haben. Glück gehabt!







Was machen GärtnerInnen eigentlich so im Winter?

verfasst von: Nico

am 2017-04-07 20:58:14


Scheinbar nicht viel, wenn man so lange nichts von uns liest. Oder eben doch sehr viel, weshalb man nicht zum Schreiben kommt. Naja, irgendwie trifft beides zu. Im November haben wir noch fürs Lager geerntet und unsere Lagermethode weiter verfeinert. Es galt, aufzuräumen und sich für die Fröste bereit zu machen, also Schläuche entwässern, sonst überall Wasser abzulassen wo es gefrieren und Schäden anrichten kann, Werkzeuge einsammeln und einwintern... Beete werden abgeräumt und Komposte angelegt (oder z.B. die abgestorbenen Tomatenpflanzen in einem fulminanten „Herbstfeuer“ verbrannt). Sobald dann die ersten Fröste da sind beobachtet man gespannt, wie sich die Temperaturen im Lager entwickeln und nimmt hier und da vielleicht noch Verbesserungen vor. Saatgut wird gereinigt und Kräuter gerebelt. Gemüse eingelagert und geputzt.



Aber ja, ich kann es nicht leugnen: im Winter hat man als Gärtner aber eigentlich auch Zeit. Je nach dem, wie man gestrickt ist und sich seinen Kalender füllt, mehr oder eben weniger. Da kann man dann gut auf Seminare fahren, Freunde und Familie besuchen, Bücher lesen oder in den „Urlaub“ fahren. Den farbenfrohen und bewegten Sommer Revue passieren lassen. An die Menschen denken, denen man begegnet ist. Die Höhepunkte und auch die Tiefpunkte des Jahres nochmal bedenken.

Ja, aber bald, ganz bald sollte man auch auf das neue Jahr blicken und anfangen zu planen: Saatgut sichten, neues Saatgut bestellen, die Anbauplanung machen, sich einen Finanzüberblick verschaffen. Und ehe man sich versieht, ist plötzlich auch schon Februar und man hat nur einen Bruchteil von der sehr langen, sogenannten „das-mach-ich-dann-im-Winter-Liste“ geschafft (die Werkstatt sieht z.B. immernoch aus wie Sau und außer mir findet sich dort keiner zurecht).

Hier bei uns hat sich dennoch viel getan in dieser ganzen Zeit: Micha hat den Hof verlassen und bildet sich in Richtung Züchtung fort, ein kleiner Erwin ist dazugestoßen und fordert uns Hofbewohner zu einer ganz neuen und flexiblen Organisation heraus, sorgt aber mindestens für ebensoviel Freude und Entzücken. Zwei weitere Babys sind im näheren Umfeld geboren und die Krabbelgruppe trifft sich nun regelmäßig im Bauwagen oder der Wohnung auf dem Nachbarhof. Es sind noch andere Menschen an den Kosmos Auenhof herangerückt: Sabeth und Anne werden uns in der kommenden Saison tatkräftig unterstützen.



Ja, die Pause hat gut getan. Inzwischen sind die Frühbeete jedoch schon wieder voll mit kleinen Jungpflänzchen und die Scholle (der Acker) wurde aus ihrer Winterruhe geweckt und begrüßt. Die Vögel sind schon ganz aktiv und klingen beinahe vorfreudig. Neulich haben wir in einer Gruppenaktion unseren Folientunnel im Nachbarort abgebaut und abgeholt. Es gibt viele Pläne für das Jahr – welche können davon wohl umgesetzt werden? Und welche Begegnungen werden uns in diesem Jahr erwarten? Wir werden sehen...







Winter is coming...Winter is here.

verfasst von: Jochen

am 2016-11-16 08:51:09

Nun ist Väterchen Frost bei uns eingetroffen und legt seine ruhige weiße Hand über Land und Leute.Dick eingepackt schauen wir ihm entgegen und hoffen,
dass unsere Vorbereitung gut genug war, um ihm stand zu halten. Zuvor herrschte bei uns eine ähnliche Herbststimmung, wie es das Lied von den Peacocks andeutet.

Autumn time,
the summer is past,
winter will come too soon,
Stars will shine clearer,
sky seems nearer,
under the harvest moon.

Unter dem Harvest moon begingen wir unsere große Ernte und Einlagerung.
Denn die Tage wurden sprunghaft kürzer und da kam es dann schon einmal zu dem ein oder anderen Abendeinsatz im Dunkeln.
Zum Beispiel bei der Holzhobel-Umlade Aktion.



Die Männer vom Auenhof



Die Lagerernte fing mit dem „empfindlicheren“ Gemüse wie Rote Bete, Sellerie und den Lagerkohlrabi
Superschmelz an, und ab da, pendelte der Traktoranhänger regelmäßig zwischen Acker und Hof hin und her. Es folgten in einer weiteren Großaktion die Steckrüben
und dann zu guter Letzt der größte Posten: die Möhren.



Zum Glück hatten wir, durch den späten Frost, ausreichend Zeit die Tonnen an Gemüse gut zu
verstauen. Denn immer wieder tauchte die Frage auf, wie und wo lagern wir ein. Die ersten Versuche
z.b. die roten Bete in Sand einzuschlagen wurde bald als zu aufwendig und kapazitätserschöpfend wahrgenommen.
Beim Sellerie kam uns dann die zündende Idee auf Hobelspäne umzusteigen, die wenn sie feucht gehalten werden ein ähnlich gutes Lagermilieu
bieten wie Sand, nur mit dem gewaltigen Vorteil das sie bedeutend leichter sind!

Aber nicht nur wir dachten ans Einlagern und Ernten, und so mussten wir eines morgens erschrocken feststellen das eine Rehherde
sich fast über unsere gesamten Zuckerhut, Endivien und Radicciobestand hergemacht hatte.(Ein bisschen konnten wir noch retten und unter Vlies schützen)
Die wissen leider halt auch was gut schmeckt.... .


Zur Erntearbeit gehört aber nicht nur das Ernten, sondern fast genauso wichtig ist die Herbstbestellung, die Vorbereitung auf das nächste Jahr.
Und so säten wir auf den abgeernteten Flächen ein Wickroggen Gemisch, um unseren Acker so „grün“ wie möglich in den Winter zu schicken,
denn nur das über den Winter Lebendige hält die Nährstoffe ausreichend, um nicht mit den Winterniederschlägen verloren zu gehen.
Um den Bodenaufbau und die Humusbildung voranzubringen, beschäftigten wir noch einen Lohnarbeiter, der in unseren
Gründüngungsbestand, die Reste unserer Mistmiete ausbrachte.
Auf den so abgedüngten Flächen können nun schon bei geringen plus Graden Um- und Aufbauprozesse beginnen.

Zuwachs hat unser Hofteam durch Sabeth, Nicos Freundin erfahren. Sie ist inzwischen nach Brandenburg an der Havel gezogen und bereichert unser Hofleben nicht nur bei gelegentlichen Ernteeinsätzen.

Auch die Pferdearbeit hat wieder an Schwung gewonnen und wir üben schon kräftig für das nächste Jahr.



Zwei unserer Frauen vom Auenhof



gehabt euch wohl,
Jochen







Jetzt wirds kühl und feucht...

verfasst von: Michael

am 2016-10-06 16:30:16

Wie wars bei uns?
Vor dem großen Sturm der Lagerernte wirds grad nochmal ganz ruhig im Garten.
Denn der Sommer wollte dieses Jahr nicht gehen.
Fröhlich kamen letztes Wochenende Solawisten her für einen Arbeitseinsatz,
der eigentlich eine Lagergemüseernte werden sollte.
Leider sind in diesem Jahr die Temperaturen im Tagesmittel 3 Grad wärmer als
in einem Durchschnittsjahr und der Frost auch noch lange nicht in Sicht.
Ich hab Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren im Keller installiert und beobachte
jetzt jeden Tag wie ein kleines Kind, wie sich die Werte verändern, denn ich hab ein
kleines Faible für Datenerfassung, ihre Ordnung und Nutzbarmachung.
Hier ein kleiner
Graph unserer jetzigen Situation (Innentemperatur/Feuchtigkeit= Kellertemperatur/Feuchtigkeit):


Angesichts dieser Tatsache mussten wir unsere Lagerernte verschieben,
da uns das Gemüse in unserem Lagerkeller bei den Temperaturen vergammeln würde.
Was für ein verrücktes Jahr! So heiß und so trocken!
Na, jedenfalls hatten wir dennoch ein schönes Wochenende und haben dieses
und jenes gemacht. Unsere Hauptaktionen waren wohl die letzte Pflanzung des Jahres
und das Sauerkraut machen. Ja... wir haben zwei Fässer voll Sauerkraut gemacht,
wo wir schätzen, dass sie in 6 Wochen soweit sind.
Seit dem Oktober (siehe Graph..) ists auch ziemlich kühl geworden und feucht noch dazu.
Ein richtig schmuddeliger Oktober wird das wohl! Den Anfang unserer Herbsternte
haben wir dennoch auf nächste Woche verschoben, der Keller sollte schon unter 10 Grad haben,
wenn die ersten Sachen reinkommen sollen.
Bis dahin kehrt langsam eine Schau nach Innen ein... die letzten Sachen werden grad organisiert,
um das "Außenjahr" abzuschließen.
Ja und sonst noch so? Ich hab mindestens 1000 Sachen vergessen, wie z.B unser kaputtes Auto, den Arbeitseinsatz vor
zwei Wochen, die Schulklasse die hier war, den Studententrupp, der in mühseliger Handarbeit die Kartoffeln
und Kürbisse reingebracht hat und natürlich die größten Lieferungen des Jahres.... All das ist passiert
im ereignisreichen September und hallt halbwirklich im Hintergrund meines Kopfes als etwas, was vor langer
langer Zeit passiert sein muss. Denn da wars heiß und trocken und jetzt ist es kühl und nass.
Für mich als Gärtner ist das Wetter wohl einer der Hauptorientierungspunkte meines Lebens und
ich vertraue Uhren und Kalendern mit ihrem astronomisch-mathematischem Modell wirklich nur halb so viel.

Und hier noch eine kleine Bildergeschichte zu gestern Abend...
Ihr werdet wahrscheinlich erraten, was da passiert ist:




sooo, dann euch allen eine schöne Herbstzeit und genießt das herbstlich, winterliche Gemüse!
Micha







Es summt und brummt, die Luft steht und wirbelt vor Insekten

verfasst von: Johanna

am 2016-09-07 17:14:52

Ich sitze bei rund 30 Grad in unserem angenehm kühlen Büro.
Die Störche sind nun ausgeflogen und haben ein Geschenk da gelassen. Mein Bauch wächst, und das liegt nicht (nur) an unserem guten Essen...

Und draußen wachsen unsere Kulturen, werden prall und rund und bunt. Es ist Hochsaison, die Ernte ist jetzt so gut und vielfältig wie sonst nie im Jahr: Salat, Tomaten, Zucchini, Stangensellerie, Möhren, Kräuter, Paprika, Zwiebeln, Bete, Kohl, Mangold, Blumen - alles blüht, und fruchtet, und macht Samen. Besonders freuen sich unsere geflügelten Kollegen, Hummeln, Schmetterlinge, Bienen und Fliegen, es summt und brummt und verwirbelt die sonst stehende Luft.




Dieses Wetter ist ziemlich schwierig im Gemüsebau, denn zum Wachsen braucht die Pflanze ja Wasser, und Nährstoffe, die in Wasser gelöst sind. Aber: es ist perfekt für den Samenbau. Samen sollten möglichst trocken ins Lager gehen, damit es weder zu Keimung noch zu Schimmelbildung kommt, und die Keimkraft nicht leidet. So schwirre ich dann mit schweren Beinen aber ganz in meinem Element aus um Samen zu pflücken, zu schütteln und zu klauben. Ich bin froh, dass ich schon etwas Erfahrung in meinem letzten Lehrjahr bei "Keimzelle" sammeln konnte, so sind mir die Samenstände mancher Pflanzen keine ganz so großen Rätsel. Bei dem Wetter entwickeln sich auch die Gerüche der duftenden Pflanzen, Blumen und Kräuter besonders schön, und das genieße ich, wenn ich Kräuter zum trocknen ernte - allem für Tees - und am Heuboden aufhänge.

Ist es nicht ganz so heiß - also vornehmlich am Morgen - können Jochen und ich mit Onyx auf den Acker. Mir sind die Geräte inzwischen zu schwer, darum versuche ich jetzt auch mehr an die Leinen zu gehen. Also, das Pferd zu lenken und zu führen, während jemand anderes das Gerät hinter dem
Pferd her lenkt. Da bin ich noch ganz Lehrling und vorsichtig. Jochen hat zwar mehr Erfahrung, aber die Arbeit mit Onyx bedeutet, dass sich drei Individuen aufeinander einstellen, sich kennen lernen, und eine Sprache entwickeln müssen, die jeder versteht. Das ist total spannend und aufregend. Onyx ist total gelassen und erschrickt nicht leicht, ziemlich lieb und genießt Möhren und Krauleinheiten. Andererseits kann sie sich auch so in der Gräschen-Knabberei verlieren, dass sie ihre Umwelt schlicht ...ignoriert. Blöd, wenn das im Beet passiert. Aber Grenzen zu setzen, ist auch eine Aufgabe des Ranghöheren, also des Menschen. Wir üben...



Jochen und Micha sind im Moment unsere Ackermeister und zur Zeit besonders Wassermeister. Etwa alle 2 Stunden, egal was man gerade macht, springt einer der beiden auf mit dem Satz "ich muss mal eben die Bewässerung umlegen!". In unserer Mittwochsbesprechung beispielsweise verstreut sich dann der Rest zum Kaffee machen, Brot aus dem Ofen holen oder e-mail beantworten, und nach einigen Minuten sitzen wir wieder beieinander, erzählen uns, was uns bewegt, diskutieren die Herbstbestellung oder wer wann da und wer wann weg ist. Diese Mittwochsgespräche sind ein wichtiger Teil unserer Betriebs- und Gemeinschaftskultur geworden. Sie halten unsere Gemeinschaft gesund und machen uns sensibel dafür, wo die anderen gerade stehen. Denn bei aller Gemeinsamkeit verfolgt doch jeder eigene Aufgaben im gemeinsamen Projekt.

Ich kann, in "guter Hoffnung", meine Beine ein bisschen mehr hochlegen als die anderen. Meine Hauptaufgabe neben Kräutern, Blumen, Samen und Pferdearbeit ist ansonsten die Kommunikation mit unseren Mitgliedern. Neben der Organisation laufen bei mir viel Lob und Bestätigung ein. Auch die Lokalpresse hat uns mal wieder besucht und es gab einen hübschen Artikel in der MAZ, und die Macher der Website "Brandenburg im Wandel" haben mit Micha und Jochen einen kleinen Film gemacht. Das alles bestärkt uns und macht viel Freude.
Außerdem haben wir nun, in Urlaubs- und Semesterferienzeiten, auch viel Hilfe von Freunden und Mitgliedern, so dass es auf unserem Acker wirklich nicht schlecht aussieht. Die Lagerkulturen für den Winter machen uns große Hoffnungen. Es werden auch schon Feldsalat und Ko gepflanzt. Einen großen Dank an alle Helfer - hier, und vor Ort in Berlin, in der Orga, in den Finanzen...! Ohne euch wären wir nicht da, wo wir sind.
Und da sind wir gern.







Mein Urlaub auf dem Auenhof

verfasst von: Romina

am 2016-08-24 15:18:09

Als Städter kennt man das – wer zu viel Zeit in der Stadt verbringt, dem fällt doch irgendwann die Betondecke auf den Kopf. An diesem Punkt war ich mal wieder und kann nur sagen:
Was ein Geschenk, dass durch Larissa der Auenhof in mein Leben getreten ist und sich am Ende des Betontunnels als Licht auftut!

Es ist wirklich ein Segen, dass ich meinen Urlaub mit einer Auszeit auf dem Auenhof, an frischer Luft und in wunderbarer Landschaft und Gesellschaft, beginnen durfte.
Die Gartenarbeit empfand ich als sehr entspannend und der Kontakt mit den Pflanzen und der Erde hat mich zurück auf den Boden von Mutter Natur geholt.
Fast 3 Tage habe ich allein damit verbracht, die Lagermöhren von Melden und Grasbüscheln zu befreien – das war echte Meditation für mich.
Neben dem Jäten habe ich auch mal gepflanzt oder geerntet und probieren dürfen, wie sich 6 verschiedene Möhrensorten geschmacklich voneinander unterscheiden.
Schön und wertvoll waren auch die vielen teils lustigen, teils tiefgehenden Gespräche, das leckere Essen, das täglich frisch gekocht wurde und die netten kleinen Ausflüge zur Havel und in die Umgebung. Es war toll, im Zelt zu schlafen und all die Geräusche wahrzunehmen, die sich von den Flugzeug- und Autogeräuschen, die mich sonst so umgeben, doch sehr unterscheiden – von den Käfern unterm Zeltboden bis hin zu den Störchen über den Dächern hat mich alles sehr rege unterhalten. Parey gehört zu den Sternenparks Deutschlands, wie ich erfahren habe, was bedeutet, dass man nachts mehr Sterne als Himmel sieht, von denen der ein oder andere schonmal herunterfällt – also eine tolle Aussicht auch zur dunklen Zeit des Tages. Ebenso kann ein Gewitter in dieser zauberhaften Umgebung zu einem besonders sehenswerten Schauspiel werden, wobei ich das große Glück hatte, während des Gewitters unter dem Dach einer Jurte mit Panoramafenster gestanden zu haben – die Nachbarin Gabriele war im Begriff, dort eine Frauenoase einzurichten, was ich ebenfalls sehr spannend fand.. Man trifft auch auf dem Land viele interessante Menschen und Gleichgesinnte und auch an andere Begegnungen auf dem Auenhof denke ich gern zurück!

In diesem Sinne möchte ich nochmal danke sagen, dass diese Idee von solidarischer Landwirtschaft von Johanna, Jochen, Nico und Micha täglich in die Tat umgesetzt wird und abgesehen von der leckeren wöchentlichen Gemüselieferung ein so wunderbarer Ort geschaffen wurde, an dem man so herzlich empfangen wird.
Merci und bis zum nächsten Mal!
Romina







Oh, du schöne Sommerzeit

verfasst von: Nico

am 2016-08-16 21:36:55

Wo bleibt denn eigentlich die ganze Zeit? Fast ein halbes Jahr sind wir nun schon hier in Parey, und der Sommer geht allmählich zuende wie es scheint. Vorige Woche gab es ja einen kleinen frühherbstlichen Einbruch, der uns alle ziemlich verwundert hat. Zugleich wurde es aber auch etwas verregnet, was uns sehr gefreut hat. Endlich nicht mehr im 2-Stunden-Takt aufs Feld fahren und die Bewässerung umlegen! Nun steigen die Temperaturen wieder ein wenig und wir können hoffentlich noch einige Male in der Havel baden gehen, bevor der Herbst tatsächlich kommt und es dafür zu kalt wird.

Ich bin ja seit einigen Wochen nicht mehr besonders oft auf unserem Acker, außer zur Ernte am Dienstagmorgen. Stattdessen verbringe ich derzeit viel Zeit auf oder mit den Maschinen unseres benachbarten Verpächters Holger. Daher gibt`s von mir hauptsächlich Trecker- und Kuhfotos ;D





Holger ist Mutterkuh-Bauer. Das heißt, er hält etwa 100 Kühe, die die meißte Zeit des Jahres im offenen Feld auf Weiden stehen und fressen. Diese Weiden gehören dem Naturpark Westhavelland und unterliegen besonderen Naturschutz-Auflagen. Zum Beispiel dürfen manche Weiden erst zu einem bestimmten Zeitpunkt beweidet werden, wenn nämlich diverse Wiesenbrüter-Vogelarten mit ihrer Brut fertig sind und nicht mehr gestört werden können. Andere Flächen dürfen dagegen gar nicht beweidet werden sondern werden nur zu festgelegten Zeitpunkten gemäht um Heu zu machen, das dann zur Fütterung der Kühe im Winter genutzt wird.
Mutterkuhhaltung bedeutet, dass Kühe gehalten werden, die regelmäßig Kalben sollen und ihre Kälber in der Regel auch großziehen. Sinn und Zweck der Geschichte kann unterschiedlich sein; oft werden solche Herden zur Landschaftspflege genutzt. In kleinem Maßstab auch zur Mistproduktion für den Pflanzenbau. Auch wir werden für unseren Gemüsebau von Holgers Herden mit Mist versorgt, der für uns Gold wert ist. In den meißten Fällen hängt damit aber auch ein Weiterverkauf der jungen Rinder (Rind ist der Oberbegriff für die "Kuh"; Kuh bedeutet eigentlich ein Rind, das schonmal gekalbt hat) zusammen, die im Jugendalter an Viehhändler oder an Mastbetriebe verkauft werden. Gemolken wird meistens nicht, da die Infrastruktur dafür besonders ist (Ställe, Melkstand, hygienische Einrichtung, energiereiches Futter). Viele Kühe in Holgers Herde sind schon seit vielen Jahren da, und man kann sagen, dass Tiere aus Mutterkuhhaltung deutlich älter werden als solche Tiere aus Milchviehhaltung, da die geforderte "Leistung" ungleich geringer ist. Die Tiere leben relativ ursprünglich in Herden auf teils sehr großen Flächen und werden die meiste Zeit über in Ruhe gelassen.

Der Kuhbauer muss also gucken, dass er im Sommer genug Futter für den Winter zurücklegt. Und damit sind wir gerade beschäftigt. Das heißt also im 2-3wöchigen Rythmus fahren drei Traktoren raus auf die Wiesen und mähen, wenden und pressen dann das Heu zu Ballen. In der Zwischenzeit werden Maschinen und Geräte gewartet (oder repariert ;), Ballen auf den Hof gefahren oder Weiden gepflegt. Ich lerne viel Technisches, das uns für unseren Gemüsebau wiederum nützt, und auch gehören wir sonst auf eine Weise mit in den Kreislauf des Mutterkuhbetriebs hinein, der uns mit Mist versorgt und die Fläche zur Verfügung stellt.

Auf unserem Gemüseacker geht es inzwischen auch tierisch zur Sache: kürzlich wurde eine Wildschweinherde beobachtet, die wohl panisch einmal quer über den Acker lief. Zum Glück hatten die anderes im Kopf als Fressen, sonst... naja.
Jetzt hat auch ein Waschbär entdeckt, dass es bei uns einiges zu holen gibt und frisst sich durch den Zuckermais. Dabei hinterlässt er eine Spur von abgenagten Kolben. War wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Natur sich auch ihren Anteil abholt... wir werden ihn weiterhin skeptisch beobachten.



Schön war der Besuch von Freunden und Helfern im Juli. Über den ganzen Monat war immer jemand mit dabei, und es konnte einiges auf dem Acker aufgeholt werden. Die Geselligkeit hat gut getan, auch wenn wir dann erstmal froh waren, als wir vorerst ein paar Tage wieder unter uns sein konnten. So schön kann das Hofleben sein:



Was gibt es sonst noch zu sagen? Micha und Ich bauen nun unseren Keller zum Lagerraum aus, damit wir euch über den Winter weiterhin mit unserem Gemüse versorgen können. Die Lagerrotebete steht gut da, auch die Möhren sind üppig. Unser Arbeitspferd bekommt inzwischen regelmäßig den Acker zu sehen und versucht sich auch am bearbeiten von einzelnen Beeten. Die Störche verlassen Parey in 1 bis 2 Wochen, um dann im nächsten Frühjahr wiederzukommen. Dieses Jahr haben sie möglicherweise was hiergelassen...







Hejo, sieh der Wind treibt Wolken übers Land....

verfasst von: Jochen

am 2016-07-15 08:27:44




..aber leider nicht den Regen:o( Irgendwoher kennen wir das doch.....Und so stehen wir mal wieder, obwohl es um unsere Köpfe in letzter Zeit nur so brauste und ein Sturm den nächsten jagte, vor bekannter Herausforderung: Gießen...alles und überall!
Denn genau jetzt ist die Zeit gekommen -- die der Fruchtbildung und -reife nämlich -- in der die Wachstumsbedingungen am besten sein sollten, damit die Tomaten, Auberginen, Gurken, Kürbisse, Zucchinis, Bohnen ihre Früchte bilden können und das Lagergemüse sich in mannigfachster Weise entfalten kann. Das die Möhre ihre Pfahlwurzel in den Boden treibt und die Köhler zu ihren Köpfen kommen. Das heißt auf der einen Seite wässern und auf der anderen Konkurrenzdruck nehmen -sprich jäten, hacken, jäten, hacken.... und das tun wir gerade gefühlt rund um die Uhr... denn wie einen alte Bauernweisheit sagt: "Ein Tag im Juli ist wie zwei Wochen im August und zwei Wochen im August sind wie der ganze Monat September!"

Was wir jetzt also nicht schaffen lässt sich schwer wieder einholen. Aber wir sind dran! Und versuchen auch so gut wie möglich die letzten Pflanz- und Aussaattermine wahrzunehmen.





Denn das Fenster für die Anzucht neuer Gemüsesätze schliesst sich langsam, aber sicher. Wie ihr lesen könnt haben wir alle Hände voll zu tun.... vor allem auch weil einer der Stürme zwei unserer Tomatengestelle beschädigt hatte (Draht gerissen) und wir in mühsamer Arbeit die Tomaten wieder vom Boden aufkratzen durften. Doch zum Glück hats uns nicht so schlimm erwischt wie den Nachbarn bei dem ein Teil des Scheunendachs eingestürzt ist (zugegebenermaßen war sie auch nicht im besten Zustand, aber es sit doch immer wieder erschütternd und beeindruckend was die Naturgewalten für Kräfte freisetzen).

Apropos Naturgewalt (im positiven Sinn;o)... Onyx unser Pferd macht Fortschritte oder besser gesagt wir, denn es ist doch eher eine Ausbildung von uns, die Pferdesprache zu lernen und klar und konsequent zu vermittlen was wir von ihr wollen.
Aber auch hier zeigen sich langsam die Früchte der Arbeit und wir hegen die Hoffnung mit ihr im Herbst das erste mal auf den Acker zu gehen.

soweit erstmal von uns aus Parey, dem Ort an dem die Wüste beginnt (?!) / wo die Wüste begrünt wird / wo Wunder geschehen / Parey ein neues Findhorn in der Wüste?

gehabt euch wohl, Jochen







Party party, hilfe Hilfe, heiße Hitze

verfasst von: Michael

am 2016-06-07 16:22:22

Aloha aus dem Urlaubsparadies Parey!

Ich hoffe unsere heutige Ernte hat euch gut erreicht.
Die Sonne brutzelt, der Storch klappert und die Urlauber baden am Strand.
Und die Auenhöfler ackern, aber dankbarerweise nicht ganz allein!
Denn am Sonntag hatten wir Besuch von Markus und Steffi, am Montag von Paco, seiner Mama und seinem Mitbewohner Jonas.


Paco jätet Bohnen schneller als sein eigener Schatten



Und der Besuch war ackermäßig wirklich schlagkräftig, viele Kulturen wurden gerettet,
viel wurde geschafft und wir Gärtner arbeitsmäßig deutlich entlastet, was ein
Segen ist in dieser frühsommerlichen Zeit.
Es gilt übrigens weiterhin: Es gibt bei uns allerhand zu tun und wer für einen oder
mehrere Tage vorbeikommen kann, ist hier herzlich willkommen!
Ich glaube unseren letzten Besuchern hat es gut gefallen... sie haben mir ans Herz gelegt
den Sandstrand, den Fluss, das gute Wetter(für Urlauber, nicht unbedingt für Gärtner) und die schöne Landschaft zu erwähnen.... so als Lockmittel quasi.

Nunununun, aber zurück zu dem Hof, hier ist viel passiert und die Nachrichten vom Hof sind gar
nicht hinterhergekommen:
Da wär unter anderem das Hoffest, das ziemlich gut gelaufen ist, auch wenns etwas kalt und stürmisch
war.
Nach dem Hoffest folgte irgendwann ein kräftiger 25mm Regen (1mm im Regenmesser = 1 Liter auf 1qm)
und wir durften endlich unsere Tröpfchenbewässerung mal liegen lassen und den Pflanzen beim
wachsen zusehen... nuuun, nicht nur den Kulturpflanzen, denn wenns regnet und gleichzeitig warm ist,
dann explodiert auch das Unkraut und genau das ist passiert.
Nuun, wir hatten aber leider noch so viel zu pflanzen, also konnten wir uns der Kulturpflege
nicht so recht widmen und das Ende der Geschichte kennt ihr ja, das war mein Hilferuf an euch,
der auf jeden Fall ganz schön erfolgreich war und Spaß gemacht hat. Ach, ich vergaß beinahe,
zu Hilfe kam uns auch noch eine Frau mit ihrem Pferd, die grade durch Brandenburg reist
und auf Höfen die Pferdearbeit demonstiert... mit ihr und ihrem Hengst haben wir gegrubbert
und geeggt...

Wo stehen wir jetzt?
Nun, die Palette an Gemüse wird langsam aber sicher vielfältiger, viele Kulturen für Ende Juni/Anfang Juli sehen gut aus, die Herbstbestellung ist in vollem Gange. Die Gärtnerei ist in dieser Jahreszeit so schnelllebig, dass man in einem so starren Format wie der Schrift oder auch der Sprache kaum hinterherkommt. Ich denke man muss es wachsen sehen und voll darin sein, dazwischen sein, im wahrsten Sinne InterEsse haben für die Veränderungen, die jeder Tag bietet.
Problematisch wird grade tatsächlich wieder das Wetter, denn es ist schon wieder
seit einer guten Weile ziemlich heiss, unsere Bewässerung läuft wieder auf hochtouren und
für unsere rote Beeteaussaaten haben wir schon wieder abendliche Bewässerungschichten eingeführt...
Eine knochentrockene Gegend hier!
Nichts desto trotz könnt ihr euch in den nächsten Wochen freuen auf neues, verrücktes,
großmarktundindustrieuntaugliches Gemüse freuen.

Bis bald dann,
Michael!







Segen ohne Regen

verfasst von: Johanna

am 2016-05-23 16:50:25


"Scheiße, die Wäsche" sagt Jochen morgens im Bett, und ich sag nur "egal, Hauptsache es regnet!".

Knapp 2 mm hat uns diesen Morgen ein vorbeiziehendes Gewitter geschenkt. Das waren die einzigen 2 Liter seit dem Hoffest. Da kamen auch knapp 2 mm. Und das war das erste Mal seit Ende April. Da gab es dann aber auch gleich Hagel dazu. Und davor wars auch trocken....

Wir kämpfen schwer mit der Dürre. Sie sorgte dafür, dass die gepflanzten Kulturen, Salat etc, nicht richtig ins Wachsen kamen, dass die Radieschen so lange brauchten, um eine gewisse Größe zu erreichen, dass Würmer Zeit hatten sich darin breit zu machen, und sie von innen her schon wieder trocken werden. Auch Rettich und Mairübchen haben das gleiche Problem. Ökologischer Gemüsebau heißt immer auch, Leben mit Schädlingen und Kreativität und Erfahrung im Umgang mit ihnen. Dies ist unser erstes Jahr und wir machen sowas von Erfahrungen!
Seit einer Woche haben wir unsere Tröpfchenbewässerung, eine größere Investition, die zwar hilft, aber auch viel Arbeit macht. Ohne sie hätten wir bald nichts mehr zu liefern!

Zurück zu etwas Schönem: Anfang Mai holten wir Onyx, unsere polnisches Kaltblut/Warmblut-Stute. Wir beschnupperten uns ein bisschen und sie wurde in die Herde integriert. Das kann heftige Kämpfe mit sich bringen, verlief aber rech glimpflich. Sie ist zwar die größte, und sicherlich körperlich stärkste, Stute, ordnete sich aber ganz unter. Seitdem arbeiten Jochen und ich täglich mit ihr, Stück für Stück, und mit Aufs und Abs. Mir macht der Umgang mit ihr große Freude und die Pferdearbeit ist eine sehr spannende Reflexion auf sich selbst. Onyx zeigt einem sofort, wie es um die innere Haltung, die Konzentration und Gelassenheit bestellt ist.

Beim Hoffest hatten wir die Gelegenheit, mit euch das Bestehen des Auenhofs zu feiern. Das alles nun so ist, wie es ist, war ein langer Weg und ist ein wahrer Segen. Das Fest selbst war total gelungen und dank vieler, vieler Helfer lief alles ziemlich rund. Trotz des wirklich miesen, klammen, kalten Wetters waren unheimlich viele Leute da, auch alte Freunde von uns, die wir teilweise sehr lange nicht gesehen hatten. Am schönsten waren die Lagerfeuer am Samstag- und Sonntagabend, als das Tagewerk vollbracht war und die Last abfiel. Ansonsten kann ich vom Fest wenig berichten. Man muss es einfach erlebt haben.

Und weiter gehts.... Durchs Hoffest ist sehr viel liegen geblieben, das wir jetzt aufholen müssen. Dazu kommt die Bewässerung. Gott sei Dank erwarten wir diese Woche zwei Helfer.

Und ansonsten heißt es, Daumen drücken für den Regen - denn Regen bringt Wachstum...

...und Pausen!







Von heißen Maschinen, Tauben und Schwergeburten

verfasst von: Nico

am 2016-04-30 22:02:53

Es wird warm, ein Glück! Die vergangenen zwei Wochen wurde es nochmal richtig kalt – so kalt, dass wir unsere Tomatenpflanzen vor dem Frost bewahren mussten, indem wir etliche Grabkerzen im Anzuchttunnel aufstellten. Man möchte es nicht glauben, aber diese haben tatsächlich die Temperatur um einige Grad angehoben, so dass die empfindlichen Pflänzchen keinen Schaden davongetragen haben. Sie strotzen nur so vor Lebenskraft und freuen sich darauf, nach den Eisheiligen (11. Mai - 15. Mai) gepflanzt zu werden.

Auch Regen gab es, worüber wir uns nach einer lang anhaltenden Trockenheit sehr gefreut haben – die zwei SoLawisten, die uns als erste hier draußen besucht haben dagegen wohl weniger. Die beiden hatten aber vorgesorgt und sich Wechselkleidung eingepackt. Wir haben uns sehr über die Unterstützung gefreut und auch über die Vorstellung, bald mehr Leute auf dem Hof zu haben die anpacken, zusammen mit uns essen und denen wir den Garten und das Land zeigen können.




Es ging auf und ab in diesem Monat, angefangen mit dem Ausfall unseres ersten Einachs-Traktors, gefolgt von dem zweiten, den wir aber nach einigen Tagen der (nervenaufreibenden) Auseinandersetzung und Schrauberei wieder zum Laufen bekamen. Ich kam zeitweise kaum aus der Werkstatt, geschweige denn ins Gemüse, aber es hat sich gelohnt. Sie hört auf den schönen Namen Hakorette, und sie begleitet uns nun zuverlässig auf dem Acker bei der Beetvorbereitung. Eine Wonne nach einigen Wochen schwerer Handarbeit! Es hat eine Weile gebraucht, bis sich alle an die Maschine gewöhnt hatten (Jochen ist sie nach wie vor nicht geheuer), denn sie macht eine Menge Lärm und schüttelt einen kräftig durch. Micha und ich sind inzwischen große Fans – Rock n Roll!

In meiner Teilzeit-Beschäftigung bei Holger, unserem Verpächter und Nachbarn ging es drunter und drüber, da die letzten Geburten in seiner Mutterkuhherde anstanden, welche nicht gerade einfach waren. Nicht selten rief er einen oder mehrere von uns als Verstärkung, um als Geburtshelfer herzuhalten. Das ist bei Kühen... naja, nicht unbedingt die sanfteste Art. Aber dabei kanns eben auch mal um Leben und Tod gehen. Interessante Erfahrungen waren das jedenfalls und ich lerne viel auf dem Hof. Auf Holgers Unterstützung können wir jetzt und in Zukunft ebenfalls zählen, wenn es z.B. um das Ausleihen seiner Maschinen geht, was uns in manchen Situationen schon eine große Hilfe war.

Der Acker füllt sich immer mehr und sieht inzwischen sehr nach Gemüsegarten aus. Vorigen Mittwoch haben wir trotz der hungrigen Tauben, die den Acker seit zwei Wochen heimsuchen die ersten Radieschen geerntet, yeah! Leider reicht es noch nicht ganz für eine ordentliche Lieferung, aber wenn das Wetter so bleibt, wird da draußen nächste Woche alles nur so explodieren. Dann beginnt die Hack- und Jätesaison und wir können viel Unterstützung gebrauchen.
Wir freuen uns und sind stolz und zufrieden damit, was wir in den vergangenen zwei Monaten alles geschafft haben. Den ersten Zeitungsartikel gab es auch schon – wir hoffen dadurch auf viel Interesse aus der Region. Ihr könnt ihn hier auf der Website einsehen.







Klapper, Klapper, Klapper...

verfasst von: Jochen

am 2016-04-09 10:42:31



Der Storch ist eingezogen direkt neben an und damit weisen alle Anzeichen untrüglich Richtung Frühling! Schon mit dem Osterfest kamen die ersten Vorboten mit warmen Winden, die zu Spaziergängen einlud und Regen, der endlich auch das Feld benetzte und durchdrängte. Und jetzt sprießt es überall! Seit dem sind wir durch eine Menge Hochs und Tiefs gegangen, so dass ihr erst jetzt wieder von uns hört. Unser Sorgenkind ist und bleibt die Bodenbearbeitung auf dem Feld. Nach dem ersten Umbruch mit einer Einachser-Fräse waren wir so semi zufrieden mit dem Resultat, denn es grünte weiter und sah nicht gerade nach einem Beet aus, in das wir unsere Saat legen wollten. Ein eigener Einachser mußte her, et voila! Da war er und er lief und lief nicht mehr. Nach genau einem Arbeitstag stellte er seinen Dienst ein :o( Eine riesen Enttäuschung! Für uns hieß das, da der Acker ja bestellt werden wollte und Aussaaten und Pflanzungen warteten, das wir mit unseren Radhacken ausschwärmten und mühsam mit unserer Händearbeit die Krume urbar machten. Der Aufwand war enorm! Aber es gelang uns Stück für Stück und so sind inzwischen außer Radieschen auch Möhren, Salat, Spinat, Topinambur, Schwarzwurzel, Zuckererbsen, dicke Bohnen und Kohlrabi in der Erde! Und neben bei wurden die Tomaten getopft und schon das Gemüse vorgezogen, das euch die Herbst- und Wintermonate erquicken soll. Aber zurück zum Acker. Da wir ja nicht nur auf das mechanische Pferd setzen wollten, sondern auch auf einen echten 4 Hufer. Gediehen auch langsam die Bemühungen, in diese Richtung. Nach dem unruhigen Kaltblut „Lizzy“ fanden wir endlich eines, das unseren Vorstellungen eines Arbeitspferdes entsprach. Und wir stehen in Kaufverhandlungen um die Kaltblut-Warmblut Mix Stute „Onyx“.


Natürlich braucht das seine Zeit bis die Beziehung zwischen Mensch und Tier so vertrauensvoll ist, das wir damit richtig auf den Acker können. Also weiter gesucht… ein zweiter Einachser kam und es endete mit dem gleichen Resultat wie beim vorigen. Verhext! Nico und Micha rauften sich die Haare! So inzwischen läuft der Notfallplan an und wir haben alle möglichen Leute und Höfe in unserer Umgebung mobilisiert, uns mit Gerät und Maschinen auszuhelfen. Leider ist ja nicht nur bei uns der Frühling ausgebrochen, sprich alle sind mit ihren Geräten am ackern… aber es zeichnet sich ab, das wir Ende der Woche entweder unseren Einachser wieder repariert oder zumindest einen Grubber mit Trecker für die Saatbeet Bereitung haben und damit wieder auf Spur kommen. Also Daumen drücken.







Action, action, action

verfasst von: Michael Kolorz

am 2016-03-21 10:51:16

Heut bin ich mal dran!
Ich sitz grad in einem Zug nach Rathenow, ich und Johanna haben
heute einen Workshop zum Thema Solawi in Werneuchen gegeben.
Das war ganz schoen und sinnvoll.
Die letzten 2-3 Wochen waren fuer uns eine Zeit voller
Arbeit, Klaerung, Kompromisse, Entschluesse, Diskussionen
und immer wieder ein hartes Ringen darum welche Sachen
wirklich wichtig sind und welche nicht.
Ich hatte das Glueck viel praktisches machen zu duerfen in den letzten
3 Wochen.
Viel gaertnerisch praktische Arbeit hat sich um die Jungpflanzenanzucht
gedreht. Und das war/ist ziemlich tricky, denn es muessen viele,
viele Sachen geklaert sein dafuer...
Zu allererst die Frage: Wo stehen die vielen Jungpflanzen eigentlich?
Fuer uns kam es naemlich nicht in Frage die Jungpflanzen zuzukaufen.
In unseren Indoorraeumen ist es selbst auf der Fensterbank mit
Selbstbaualufolienreflektor zu dunkel, die Pflanzen werden triebig und geil
und damit bruechig und anfaellig. Also mussten unsere Fruehbeetkaesten
moeglichst schnell fertig gestellt werden, was ich mir Hauptverantwortlich
zur Aufgabe gemacht habe. Und urspruenglich sollte es ne schnelle Holzkonstruktion
werden, aber es fiel uns auf, dass ueberall auf dem Hof verstreut Backsteine
rumliegen... Kurzerhand haben wir diese also aufgesammelt, Fruehbeetkaesten
draus gemauert, unten Mist eingefuellt als Fussbodenheizung und einem
Dreifachstegplattendeckel versehen. Jetzt haben unsere Pflanzen
es licht und warm und das freut mich sehr (so als Gaertner ist
man voll mit seinen Emotionen bei den Pflanzen, also ich bins zumindest!).

Im gleichen Zuge gings die Arbeit auf dem Acker los.
Wir mussten leider feststellen, dass der Gruenduengungsumbruch etwas erfolgloser
war als wir gehofft haben. Es sind noch viele Grasbueschel stehengeblieben,
die jetzt zunaechst in muehseliger Handarbeit entfernt werden muessen,
um die Beete saefertig und pflanzfertig vorzubereiten.
Deeeennnn, wir haben ja auch noch nicht alles an Ausstattung, was wir haben wollen...
uuunnnd wir haben ja auch noch kein grosses Auto, mit dem wir uns Ausstattung
besorgen koennen... Da gehts grade vor allem um einen Einachstraktor,
im Prinzip einen kleines motorbetriebenes Gartenbaugeraet.
(Der im Bild hier ist der, den wir uns fuer 2 Tage geliehen haben).
Auf der anderen Seite trudeln die LKWs mit Gartenzeug, Haushaltszeug und Zeugzeug
nur so ein bei uns:
An dem einen Tag kam zunaechst ein Umzugslkw, dann kam ein LKW, der unsere
Sickergrube abgepumpt hat, daraufhin kam dann auch noch ein Meyer
Gartenbaubedarf LKW und wir waren eigentlich den ganzen Tag damit beschaeftigt
Waren anzunehmen und auszupacken.
Ganz interessant sind die neuen Bilder anzuschauen, da sieht man ganz gut
die Entwicklung der letzten Zeit.
Hier gehts zu den aktuellen Fotos
Naaa, wie ich schon schreibe spiegelt eigentlich recht gut wieder, wie die Tage hier
laufen und strukturiert sind:
Wir wissen: Da muessen Jungpflanzen her.... dafuer brauchts aber einen Fruehbeetkasten
also muss Holz und Stegfenster her. Ausserdem brauchts Quickpots, also muessen die
her... dann brauchts aber auch Erde, also muss die auch irgendwo hergezaubert werden.
Und dann brauchts aber mal wirklich nen gaertnerischen Anbauplan, wie viel von
was zu welcher Zeit wirklich ausgesaet werden muss und wo das dann auf dem
Acker platz finden soll und das muss man ja auch noch
entwerfen... Nebenbei muss sich aber auch noch Zeit fuers Finanzamt, das Arbeitsamt,
die Versicherungen finden, denn die moechten ja auch gern wissen, was wir so treiben.
So fuehrt das eine zum anderen in dieser Pionierphase unseres Betriebs
und Energien werden durch Lust, Interesse und Neugier am Thema geweckt und mobilisiert
(na gut, von den oeffentlichen Behoerden und ihren stellen werden die Energien eher
blockiert).
Aber ganz ehrlich: Wuerd ich das hier nicht aus Interesse und Lust am Thema tun,
waer das nicht auszuhalten. Aber so machts Spass, weil ich viel lern, Lust hab
und mit Menschen zusammen wohne, die mir ganz gut gefallen.
Ich freu mich aber auch, wenn unsere Strukturen etwas gesetzter sind und alles
mit etwas weniger Kommunikationsaufwand laeuft.
Doch bis dahin heisst es:
Machen, machen, machen!


liebe Gruesse und danke fuers lesen,
Mic







Herzlich Willkommen

verfasst von: Johanna

am 2016-03-06 22:47:02

Dies sind die Nachrichten vom Hof, eine Rubrik, wo ihr erfahrt, was auf dem Hof vor sich geht, und bald auch was ihr bei der nächsten Lieferung zu erwarten habt.
Wir haben vor, regelmäßig und alternierend vom Hof zu berichten. So erhaltet Ihr Berichte aus unseren vier verschiedenen Blickwinkeln.

Ich, Johanna, habe die Ehre, den Einstand zu geben. Ich bin auch diejenige, die vor gut zwei Wochen den Schlüssel übernommen, die ersten Sachen ins Haus getragen und die erste Nacht dort verbracht hat. Das war sehr aufregend und auch sehr schön. Den Abend verbrachte ich damit, unser Saatgut zu sortieren. Am Sonntag kam unser Nachbar Holger, vom Hof Havelarche gegenüber, mit Sekt und zwei Gläsern, und wir stießen an.
Nachdem wir vor ein paar Monaten von der Option in Parey gehört hatten, zeigten uns Holger und Gabriele alles, vermittelten uns den Kontakt zum Haus und luden uns in den Ort ein. Sie sind die Verpächter unserer ca 2,5 ha großen Scholle, von der wir dieses Jahr einen knappen Hektar bestellen wollen.
Micha zog einige Tage später ein, und als ich kurz darauf von meiner letzten Arbeitswoche bei Keimzelle ins Haus zurück kam, hatte er schon den ersten Satz Salate und Kohl, sowie Paprika und Auberginen ausgesät. Inzwischen sind sie wahrscheinlich schon pikiert, d.h. einzeln in kleine zusammenhängende Töpfe ("Quickpots") umgepflanzt.
Seither hat sich sehr viel getan. Wir zwei fuhren sehr viel herum und brachten in Erfahrung, wie die Infrastruktur um uns herum ist: Baumärkte, Holzhändler, Bioladen, Waschsalon usw. Beim Gartentechnikhandel bei Rathenow können wir dieser Tage einen "Einachsschlepper" für den ersten Umbruch mieten. Die Jungs sind heute wahrscheinlich gerade dabei. Ich schreibe vom Seminar aus. Micha, Nico und ich sind ja allesamt noch Lehrlinge. Jochen wird diesen Samstag von der Freien Ausbildung feierlich verabschiedet. Er ist dann der erste "fertige" von uns. Wir drei anderen sind gewissermaßen Pioniere im Selbstständigmachen innerhalb der Ausbildung. Da sie mit vier Jahren recht lang ist, bietet es sich aber irgendwie an.


Am Freitag holte ich mit der Hilfe von Ingo, der bei Holger arbeitet, meinen Bauwagen mit den zwei Katzen. Kater Kalle und Dörte Becker waren sofort neugierig auf dem Gelände unterwegs, und Kalle hat bereits Revierkämpfe mit anderen Katern.
Micha baute derweil fleißig am Frühbeetkasten, sein Anspruch, ihn aus den überall herumliegenden Ziegelsteinen zu bauen, ist ehrgeizig aber lohnend. So haben wir viele Jahre etwas davon. In den Frühbeetkasten kommt eine ordentliche Ladung Pferdemist, der die Eigenschaft hat, lange sehr warm zu bleiben, obenauf eine Schicht Erde und darauf die Quickpots. So bekommen wir die pikierten Pflanzen aus dem Haus, wo wir sonst schnell aus allen Nähten platzen würden, und ans Licht. Mit dem Mist und einer guten Isolation stehen sie auch in dieser Jahreszeit schon warm genug. Das hinzukriegen ist immer eine spannende Sache.
Am Sonntag war dann unser SoLawi-Orgatreffen. Auf dem Weg dorthin holten wir Nico ab, und hinterher kam noch Jochen dazu. Am Sonntagabend hatten wir also unseren erste Abend zu viert im Haus und am Montag Vormittag, bevor es für mich ab aufs Seminar ging, die erste Arbeitsbesprechung vor Ort.
Während meiner Abwesenheit wird wieder viel passiert sein. Aber davon wird jemand anderes berichten. In den nächsten Nachrichten vom Hof.