Rote Bete, leere Beete: Oktober auf dem Auenhof

Der Oktober ist rum und die Lagerernte noch lange nicht vorbei. Warme Temperaturen um die 15°C mit einigen fast spätsommerlichen Tagen mit 20°C haben dafür gesorgt, dass es im Boden weiterhin kräftig arbeitete und dass an eine kühle Lagerung des geernteten Gemüse gar nicht zu denken war. So ließen wir es mit der Herbsternte in diesem Jahr ganz langsam angehen.

Als die Kürbisse Mitte des Monats alle ordentlich sortiert im Keller verstaut waren und dort weiterhin Temperaturen um die 15°C genießen dürfen, ging es an die Weißkohl- und Spitzkohlernte. Auf unserem letzten SoLawi-Wochenende für dieses Jahr wurden die Kohlköpfe vom Feld geholt und ein Großteil gleich weiter zu Sauerkraut verarbeitet. Vielen Dank an die fleißigen Helfer! Der restliche Kohl wurde zu einer großen Kohlmiete im Stall aufgeschichtet und hatte es gleich mal mit Außentemperaturen um die 20 °C zu tun. Das geht auf Dauer nicht gut und so kommt es, dass wir davon jetzt schon wieder Kohlköpfe an euch verschicken, weil sie bei der Wärme leider schnell anfangen zu gammeln. Im letzten Jahr hatten sie leichte Frostschäden, dieses Jahr ist es zu warm¦ Vielleicht finden wir ja nächstes Jahr den optimalen Zeitpunkt!

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Ende des Monats wagten wir uns bei sinkenden Temperaturen an die Ernte von Sellerie und Roter Bete. Wir konnten einige Säcke füllen und in unserer auf dem SoLawi-Wochenende ausgehobenen Erdmiete verstauen. Das ist eine etwa 1,50m tiefe Grube in der Erde, die mit engmaschigem Draht gegen Mäuse gesichert und nach oben hin mit Stroh abgedeckt wird. So bleibt das Gemüse kühl und feucht, ist aber durch das Stroh vor Frost geschützt. Leider sind die Mengen nicht so groß wie im letzten Jahr. Vor allem die rote Bete ist sehr spärlich gewachsen. Von anderen Bauern in Brandenburg hören wir Ähnliches.


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Tja, da könnte man jetzt denken: Entspannte Ernte entspannter Monat? Nicht ganz. Für Spannung und Dynamik sorgte, vor allem für Johanna und Jochen, ein voller Kalender mit vielen Auswärtsterminen und Hofbesuchen. Zudem setzte uns gleich zu Beginn des Monats Sturmtief Xavier kräftig zu. Das Dach wurde zum Teil abgedeckt, die zwei Weiden auf dem Hof hat es umgehauen und unser Auto wurde von einem Ast getroffen, der die Windschutzscheibe einschlug und dem Kotflügel eine Delle verpasste. Die Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten haben uns eine ganze Weile in Schach gehalten. Da können wir eigentlich nur froh sein, dass der Folientunnel immer noch nicht steht, so dass wenigstens der Folie nichts passiert ist :-) Der November darf jetzt gerne ein bisschen ruhiger werden!

Kürbis, Kohl und Knollen

Hier mal eine Zusammenfassung des August und September. Der Sommer ist wohl vorüber, die Niederschläge nicht. Im Gegensatz zu anderen hatten wir aber noch Glück mit unserer Fläche, wo der Grundwasserstand sehr niedrig ist. Manch einer spricht von Jahrhundertniederschlägen, andere sagen, dass am Ende das Jahresmittel wieder so sein wird wie sonst und nur die Verteilung ungewöhnlich ist. Wir werden sehen...

Wir hatten jedenfalls einen guten Sommer. Im August war das Hoffest, dieses Mal wohlwissend in die wärmere Jahreszeit gelegt, um nicht wieder wie im letzten Jahr von einer Kaltfront zu den Eisheiligen "überrascht" zu werden. Es waren einige Freunde und Bekannte da, auch neue und neugierige Gesichter. Insgesamt war es aber ein ruhigeres und weniger aufwendiges Fest als voriges Jahr, was wir auch bewusst so gestaltet hatten.

Besonders war der Auftritt der Band "Prignitz Folk" aus der Region, die den Hof einige Stunden mit Klängen von Flöten, Geige, Gitarren, Trommeln und anderer Instrumente bereichert haben. Und auch die einen oder anderen lustigen Zufallsbegegnungen kamen auf dem Fest zustande.


Der August war auch zugleich unser Urlaubsmonat. Die meisten Kulturen waren gepflanzt, die Kulturpflege wie Hacken und Jäten war inzwischen überschaubar, die Zwiebeln waren drin, zu bewässern gab es nichts. So konnten die GärtnerInnen auch mal für länger den Hof verlassen, während andere die Stellung gehalten haben.

Nach der sehr reichlichen Zwiebelernte ging es dann im September weiter mit den Kürbissen, und auf dem September-Arbeitseinsatz machten wir rotes Sauerkraut aus dem Rotkohl, welcher vorzeitig anfing zu gammeln.

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Auch auf der Baustelle konnte man einen stetigen Prozess beobachten; die Träger eingebaut, der Putz von den Wänden, die Fenster gemacht. Die Planung und Vorbereitung für den Grundofen und den Lehmputz liefen weiter.

Auch neuen "Zuwachs" gab es: Die Motorhacke Hakorette 5003 ("Haggo"), top gewartet, dicht und funktionsbereit wurde für uns von Jochen Eltern Willi und Heidrun hilfsbereit aus dem Schwabeländle von Deutschlands Hakorette-Spezi abgeholt, gleich darauf unter Willis Aufsicht getestet und für gut befunden. Das gute Stück ersetzt nun unsere "Alte", die nach der Zwiebelernte durch war und jetzt als Ersatzteillager dienen soll. Gleich darauf holten wir uns noch einen passenden Hänger von einem Freund, so dass jetzt das Hako-Mobil das Ackern deutlich erleichtert und daneben auch noch Spaß macht.
So wird der Acker allmählich abgeräumt und Gründüngung zur ÃÜberwinterung ausgesät. Die Tomatenpflanzen liegen schon seit Ende August ausgerissen auf einem Haufen, dahingerafft durch das feuchte Wetter. Wintersalate werden gepflanzt. Das Saisonende ist deutlich zu spüren. Wir bangen noch ein wenig um unsere Lagerkulturen. Wieviel werden wir nach diesem regen- und krankheitsreichen Sommer ernten? Zwiebeln gingen sehr gut in diesem Jahr, und auch mit dem Kürbis war es dieses Mal deutlich besser. Bleiben noch Kohl und Knollen...

Die Leiden der jungen Gärtner(innen)

Was ein verrückter Juli . Erst war es viel zu kalt und die Pflanzen hatten keine Lust mehr zu wachsen, die Tomaten wollten nicht rot werden und wir standen ungläubig daneben. Dann wurde es wärmer und es fing an zu kübeln,. Was da runter kam!? Wahnsinn! Fast die Hälfte des Jahresdurchschnitts innerhalb eines Monats! Um uns herum war ein Betrieb nach dem anderen abgesoffen, Kreutery in Oranienburg, Keimzelle (deren Kartoffeln ihr bekommen habt), Sternhof, Kuhhorst und und auch an uns ist der viele Regen nicht spurlos vorübergezogen, verschiedenste Krankheiten suchen unseren Acker seitdem heim (Fäulnis am Rotkohl, Eisenfleckenkrankheit/Septoria am Sellerie, etc.). Am bittersten und deprimierendsten ist es bei den Tomaten. Soviel Arbeit und Vorfreude war da hineingeflossen und verflossen.jetzt verfaulen die Tomaten am voll hängenden Strauch noch ehe sie reif geworden sind. BUHHUUHUU!! Neue Freiland-Sorten, die wir probieren wollten, Tomaten aus der Saatgutbank zur Weitervermehrung, alles mehr oder weniger hinüber. Was wir gerade liefern ist nur ein Bruchteil, von dem was potentiell dagewesen wäre (da ist) ach du grausamer Sommer. Sogar Onyx hat bei dem Wetter was abbekommen. Strahlenfäule an den Hufen, was normalerweise eine Krankheit ist, die eher im Winter auftreten kann. Aber wir können sie ja auch nicht in Gummistiefel stecken wenn es regnet. Und die Mücken!!!! Sogar bei Starkregen fliegen sie einem noch unter die Kapuze!!

Aber der Juli hatte ja nicht nur seine schlechten Seiten. Wir haben, glaube ich, noch nie so wenig bewässert (ich glaube, das ist in meiner ganzen 5 jährigen Gärtnererfahrung in Brandenburg noch nicht dagewesen). Und im Vergleich zum letzten Jahr war das ein Segen. Einige Kulturen kommen echt gut damit zu recht, was überrascht z.b. Zucchini, Gurken. Wir hatten ein super Solawi-Wochenende, an dem wir wie die wilden Wintersalate, Kohlrabi etc. gepflanzt, Rote Bete gejätet und Marmelade eingekocht haben. Die Winterkulturen Grünkohl, Raddicchio, Endivie kommen Stück für Stück in die Erde und auf den Acker.

Und der Regen hat uns auch den einen oder anderen Tag auf der Baustelle beschert, so dass wir die Träger für die Durchbrüche installierten und man kann schon erahnen wohin die Reise geht. Die neue Gewächshausfolie ist angekommen, doch den nächsten Versuch wollen wir dann im September unternehmen, wenn die Urlaube und das Hoffest vorüber sind. Soweit von uns.
Gehabt euch wohl,
euer Jochen

Alle Mann aufs Feld! Frauen und Kinder zuerst!

Der Juni begann mit einem Anfall von Panik. Nach dem großartigen langen Mai-Arbeitswochenende war so viel geschafft - und so viel war noch zu tun. Die Hakorette, dringend für Beetvorbereitungen gebraucht, gab den Geist auf. Unsere Stute Onyx, dringend für Beetvorbereitungen gebraucht, versagte Jochen zweimal kurz hintereinander die Gefolgschaft, lief einmal nach Hause und einmal mitsamt Gerät und Schläuchen quer über den Acker zu Nachbars Hengst. Sie war rossig...
Nun, einige ernste Wörtchen wurden gewechselt. Ich schlug mir innerlich an die Stirn. Das ist ja nun wirklich nichts neues - auf einem Gärtnerhof ist von Mitte Mai bis Ende Juni die Hölle los: nach den Eisheiligen muss alles raus, was noch gewartet hat, gleichzeitig wächst das Unkraut über alle Grenzen und wenn man Pech hat, ist man auch noch pausenlos am Bewässern.


Und so ging jeder in sich und verrückten wir unsere Prioritäten in Richtung Gärtnerei. Neu sind seit dem Juni unsere Gemeinschaftsaktionen am Dienstag, wo wirklich keiner fehlen darf, ob er nun arbeitet oder nicht: das beschert auch Erwin mehr Zeit auf dem Feld - als Support am Ackerrand, als Qualitätsprüfer der neuen Erdbeeren, als Pausenclown, als Rucksackreisender oder Napfkistenbewohner und inzwischen ist er sogar Montagabend bei der Ernte dabei. Früh übt sich.

Also, was haben mir im Juni gemacht? Geackert. Und sonst so? Auf dem Feld gearbeitet.

Gegen Ende des Monats entspannte sich - auch Dank eines weiteren, sehr schönen Arbeitswochenendes mit unseren Mitgliedern - endlich alles ein wenig. Zum Glück! Denn jetzt geht die Ernte so richtig los!

P.S. Achja, und das Folienzelt? Ist noch immer ein Folienzelt ohne Folie, und die Tomaten darin noch immer Freilandtomaten: Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better. (Samuel Beckett) - zweimal schon hat die Auenhofmannschaft gegen den Wind verloren. Eine neue Gewächshausfolie ist inzwischen bestellt. Die alte ist von Windes Reißern längst in Stücke gerissen...

Alles neu macht der Mai

Ich bin Sabeth und helfe gelegentlich freiwillig am Hof mit. Eigentlich bin ich Landwirtin und habe eher Erfahrung mit Milchvieh:).
Heute mal ein paar erste Zeilen aus meiner Perspektive.

Tja, der Mai... Wonnemonat? Auf jeden Fall! Die Natur scheint über Nacht doppelt so grün und voll und lebendig; es ist, als vergingen die Tage zweimal so schnell und auch auf dem Acker gibt es diesen magischen Quantensprung. Vielleicht, weil die Lerchen so schön trillern? Die Quickpots quellen nach zwei warmen Tagen jedenfalls plötzlich über und alles muss am besten sofort gepflanzt werden. Das stellt die GärtnerInnen vor große Herausforderungen. Jetzt heißt es klotzen und wahrscheinlich gibt es in jedem Garten einmal im Jahr diesen Zeitpunkt, an dem sich der Gärtner eingestehen muss, dass ihm die Arbeit und das Unkraut über den Kopf wächst. Das wiederum ist dann für einen Moment nicht so wonnig da hat man sich einen so schönen Plan gemacht...
Aber nachdem dann alle in die Hände gespuckt haben, geht es mit vereinter Kraft weiter - man schafft eben, soviel man schafft und muss darauf vertrauen, dass am Ende schon alles gut und alle satt werden. Und wie wunderschön ist es, dass alles so wächst! Die Beete auf dem Acker füllen sich, es zeigen sich allerorts die ersten Blüten und so langsam ahnt man, dass wir bald mehr ernten werden können.

Zum ganz normalen Wahnsinn, der im Mai auf einem Gärtnerhof herrscht, kam dann noch dazu, dass die heißgeliebte und vielbenutzte Hakorette den Geist aufgegeben hat und nur noch Onyx blieb, um die Bodenbearbeitung zu machen nur hatte die just in dieser Woche ebenfalls überhaupt keine Lust aufs Ackern und so standen wir dann da... und haben, wie in guten alten Zeiten (also wie letztes Jahr) die Beetvorbereitung mit der Radhacke von Hand gemacht. Zu guter Letzt konnten wir dann noch auf die Fräse vom Nachbarbauern zurückgreifen und so kann jetzt gepflanzt werden, was das Zeug hält. Uff...
Gott sei Dank gab es aber auch einen Haufen SoLawisten, die über Himmelfahrt in Scharen zum Arbeitseinsatz kamen und so einiges weggeschafft haben. Mir kam zu Ohren, dass es ein großartiger Einsatz gewesen sei. Danke an alle, die sich so engagieren! Ihr seid eine große Hilfe!

Der Aufbau der Folientunnels hält uns schon das ganze Frühjahr immer wieder in Atem und nach drei wilden, mutigen Versuchen, dem Wind zu trotzen und die Folie endlich auf das Gerüst zu bekommen, stehen die Tomaten noch immer ohne Dach da. Mal sehen, wann wir dieses Projekt wohl abschließen werden... Wir trainieren jedenfalls unsere Frustrationstoleranz und lernen viel darüber, wie es nicht funktioniert. :)

Und so nimmt es alles seinen Lauf und da es Mai ist und viel zu tun, wird dieser Artikel jetzt auch nicht länger und es gibt auch ausnahmsweise keine Fotos dazu. Den Mai in Worten schön beschrieben hat auch Erich Kästner, und damit wünsche ich euch einen blumigen Sommer und allzeit fröhliches Salat-Essen!

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Der Mai

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: Ich komm ja wieder!
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

Saisonstart

Ich bin Anne und seit zwei Monaten als Lehrling auf dem Auenhof nachdem im letzten Jahr die Gründer_innen zum Großteil noch selbst in der Ausbildung waren. Eine sehr spannende und schöne Ausgangssituation für mich, denn alle wissen noch, wie es sich anfühlt als Lehrling: wie es ist, wenn man jeden Handgriff zum ersten Mal macht; wie schwer es fällt, einen ÃÜberblick zu bekommen und dann auch noch zu behalten; wie man immer die Langsamste beim Harken ist... Außerdem bin ich im 2. Aufbaujahr einer Gemüsegärtnerei natürlich richtig nah dran am Betrieb und bekomme viel mehr mit darüber, wie sich bestimmte Strukturen und Verantwortungsbereiche bilden, welche Herausforderungen es immer wieder zu meistern gibt und was es braucht, um 75 Solawist_innen ein Jahr lang mit Gemüse zu versorgen.

Aber bevor ich jetzt abstrakt über den Saisonauftakt und das beginnende Frühjahr schreibe, dachte ich, ich lasse euch einfach mal konkret teilhaben an dem, was ich in meinen ersten zwei Monaten auf dem Auenhof gelernt habe:

1.) Gärtner_innen brauchen viel Geduld. Ob es ein Pferd ist, dass sich mitsamt Leinen und angehängten Geräten lieber drei Mal um sich selbst dreht als geradeaus über den Acker zu laufen; ob es eine Motorhacke ist, die den Zeitplan zur Beetvorbereitung sprengt, weil der Vergaser mal wieder gereinigt werden muss oder ob es der Regen ist, der bestimmte Arbeitsgänge wie z.B. Säen unmöglich macht und das ganze ganze Saatgut verklebt... es hilft leider überhaupt nichts, wütend darüber zu werden.

2.) Auch wenn das Gärtnern der sinngebende Mittelpunkt der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf dem Auenhof ist, haben die Beziehungen zueinander und das soziale Gefüge insgesamt einen mindestens ebenso hohen, wenn nicht sogar höheren Stellenwert. Ein vierstündiges Plenum jede Woche, viel Offenheit, Vertrauen und Einsicht sowie die Bereitschaft, genau über die Punkte zu reden, die weh tun, scheinen das Minimum zu sein, damit alle Konflikte, Bedürfnisse und Wünsche ihren Raum bekommen.

3.) Eigentlich macht man beim Gärtner (fast) immer dasselbe. Säen, pikieren, pflanzen, Beete vorbereiten, hacken, jäten, ernten. Spannend wird es dadurch, dass man mit verschiedenen Pflanzkulturen zu tun hat und natürlich ganz eng an die Jahreszeiten und die sich ständig verändernde Natur angebunden ist. Gerade ist Frühling und endlich blüht es wieder und sprießt und es ist schön zu sehen, wie sich der Acker wieder füllt. Und ich warte mit Spannung darauf, wann es mit dem Ernten wieder so richtig los geht.


4.) Wenn man einen Folientunnel aus DDR-Zeiten kauft, ihn abbaut und ihn dann versucht wieder aufzubauen, braucht man noch mehr Geduld als für Pferde und Motorhacken.

5.) Nachtfröste im Frühjahr sind einer der wenigen Faktoren, die Gärtner_innen aus der Ruhe bringen können. In diesem ziemlich kühlen (aber dafür regenreichen) Frühjahr ist das schon mehrmals vorgekommen. Mitte April sollte die Temperatur nachts einmal über mehrere Stunden auf -4 °C absinken. Da wurde dann der Anzuchttunnel mit einem Gasbrenner beheizt, in den Frühbeetkästen standen 20 Grabkerzen, auf dem Acker wurde alles, was geht, mit Vliesen abgedeckt und wir haben überall Baldrianextrakt versprüht. Obwohl viele Horrorgeschichten von anderen Betrieben und deren Verlusten bei Nachtfrösten erzählt wurden, ist es bei uns sehr glimpflich ausgegangen. Ein paar getopfte Basilikum und der Mangold auf dem Acker sind die einzigen Kulturen, die (leichte) Frostschäden erlitten haben. Glück gehabt!

Was machen GärtnerInnen eigentlich so im Winter?

Scheinbar nicht viel, wenn man so lange nichts von uns liest. Oder eben doch sehr viel, weshalb man nicht zum Schreiben kommt. Naja, irgendwie trifft beides zu. Im November haben wir noch fürs Lager geerntet und unsere Lagermethode weiter verfeinert. Es galt, aufzuräumen und sich für die Fröste bereit zu machen, also Schläuche entwässern, sonst überall Wasser abzulassen wo es gefrieren und Schäden anrichten kann, Werkzeuge einsammeln und einwintern... Beete werden abgeräumt und Komposte angelegt (oder z.B. die abgestorbenen Tomatenpflanzen in einem fulminanten Herbstfeuer verbrannt). Sobald dann die ersten Fröste da sind beobachtet man gespannt, wie sich die Temperaturen im Lager entwickeln und nimmt hier und da vielleicht noch Verbesserungen vor. Saatgut wird gereinigt und Kräuter gerebelt. Gemüse eingelagert und geputzt.

Aber ja, ich kann es nicht leugnen: im Winter hat man als Gärtner aber eigentlich auch Zeit. Je nach dem, wie man gestrickt ist und sich seinen Kalender füllt, mehr oder eben weniger. Da kann man dann gut auf Seminare fahren, Freunde und Familie besuchen, Bücher lesen oder in den Urlaub fahren. Den farbenfrohen und bewegten Sommer Revue passieren lassen. An die Menschen denken, denen man begegnet ist. Die Höhepunkte und auch die Tiefpunkte des Jahres nochmal bedenken.

Ja, aber bald, ganz bald sollte man auch auf das neue Jahr blicken und anfangen zu planen: Saatgut sichten, neues Saatgut bestellen, die Anbauplanung machen, sich einen Finanzüberblick verschaffen. Und ehe man sich versieht, ist plötzlich auch schon Februar und man hat nur einen Bruchteil von der sehr langen, sogenannten das-mach-ich-dann-im-Winter-Liste geschafft (die Werkstatt sieht z.B. immer noch aus wie Sau und außer mir findet sich dort keiner zurecht).

Hier bei uns hat sich dennoch viel getan in dieser ganzen Zeit: Micha hat den Hof verlassen und bildet sich in Richtung Züchtung fort, ein kleiner Erwin ist dazugestoßen und fordert uns Hofbewohner zu einer ganz neuen und flexiblen Organisation heraus, sorgt aber mindestens für eben soviel Freude und Entzücken. Zwei weitere Babys sind im näheren Umfeld geboren und die Krabbelgruppe trifft sich nun regelmäßig im Bauwagen oder der Wohnung auf dem Nachbarhof. Es sind noch andere Menschen an den Kosmos Auenhof herangerückt: Sabeth und Anne werden uns in der kommenden Saison tatkräftig unterstützen.

Ja, die Pause hat gut getan. Inzwischen sind die Frühbeete jedoch schon wieder voll mit kleinen Jungpflänzchen und die Scholle (der Acker) wurde aus ihrer Winterruhe geweckt und begrüßt. Die Vögel sind schon ganz aktiv und klingen beinahe vorfreudig. Neulich haben wir in einer Gruppenaktion unseren Folientunnel im Nachbarort abgebaut und abgeholt. Es gibt viele Pläne für das Jahr welche können davon wohl umgesetzt werden? Und welche Begegnungen werden uns in diesem Jahr erwarten? Wir werden sehen...