Alles irgendwie so wie immer und doch ganz neu

Acht Monate sind vergangen seit den letzten Nachrichten. Na klar, 2019 war was anderes dran. Im Zuge der Erneuerung der Website bin ich eben unsere alten Nachrichten vom Hof durch gegangen. Es war schon eine besondere Zeit, der Anfang 2016, Micha, Nico, Jochen und ich. 4 GärtnerInnen mit Flausen im Kopf. Ein riesiges Haus ohne was drin, ein neuer Acker, ungeahnte Möglichkeiten... Erinnerungen an damals im Kopf, blicke ich hinaus, da schläft Mascha als verkörperte Gegenwart im Auto, links neben mir liegt eine lange To-Do-Liste die Richtung Zukunft weist. Jochen jätet die Möhren auf dem Acker. Es ist eine eigenartige Mischung.

Natürlich haben wir 2020 wieder angefangen mit dem Gemüse. Natürlich haben wir uns tierisch gefreut, die ersten Samen in die Erde zu legen, den Kontakt zu unseren Mitgliedern wieder aufzunehmen. Und natürlich ist es, wie immer, nicht leicht. Und wenn der Nachbar so daher redet, man solle sich nicht zu viel vornehmen, und wenn die Glieder morgens müde, die Listen erdrückend und die Kinder viel zu laut sind, dann denke ich manchmal, ich mache irgendwas falsch. Und dass ich's nie lerne.

Aber, die ersten Kisten Wildsalat mit Jochen zu ernten, das erste Mal nur zu zweit allein, irgendwie alles noch zu können und irgendwie wieder aufregend und neu zu erleben, war ein Höhepunkt meiner Woche. Und Emil zu erklären, warum wir Brennnesseln(!) ernten. Dann zu Paula ins Auto zu steigen, fast die Kresse vergessen, die erste Tour zu fahren, Janne zu treffen und Pizza mitgebracht zu kriegen, eingebettet zu sein in das neue Gemüse Syndikat mit dem Karolinengarten und in die alte und neue Gemeinschaft der SoLawi, war ein wunderbares Gefühl.

Auch Corona beschert uns ein Leben im Spannungsfeld zwischen Hoch und Tief. Der Lauf der Jahreszeiten, Wetter und Pflanzenwachstum zeigten sich wie immer unbeeindruckt von menschlichen Krisen. Während das Daheimsein der Kinder und das erste abgesagten SoLawi-Wochenende für uns angesichts der aufkommenden Saison eine große Herausforderung waren, rückten wir daheim zusammen und war ich wohl noch nie so dankbar, hier zu sein, mit Grün vor der Tür und Luft um die Nase. Das Leben in der Weite des Havellandes ein echter Luxus. Vom Schreibtisch aus sah ich den Storch einziehen. Der andere Teil unseres Homeoffice ist wie immer grün und riecht nach Erde.

Weil die Zusammenarbeit mit dem Karolinengarten sich noch ungewohnt anfühlt, enstehen bei uns manchmal Gespräche wie diese: "...naja, und nach den Eisheiligen muss dann ja alles raus, Kürbisse, Gurken, Tomaten - und gleichzeitig die Lagermöhren und Rote Bete und alles jäten - ich weiß schon wieder gar nicht, wie wir das alles schaffen sollen!" "äh, wir bauen dieses Jahr überhaupt keine Kürbisse an. Und rote Bete auch nicht." "...oh, achja, stimmt...".
Stress kommt natürlich trotzdem immer auf im Mai, aber da sieht man schon, warum wir uns diese Kooperation ausgedacht haben.

Zu Schaffen machte uns im Frühjahr vor allem eine anhaltende Nachtfrostperiode und macht uns nun die Trockenheit. Wegen der Nachtfröste hatte Jochen schlaflose Nächte. Stellte zusätzliche Grabkerzen in die nachts dick eingepackten Frühbeetkästen. Schaffen es die frisch gepflanzten Setzlinge auf dem Feld? Sie schafften es, aber sie steckten ordentlich ein. Pflücksalat und Mangold waren bei der ersten Lieferung noch viel zu klein zum Ernten, Brokkoli und Blumenkohl werden womöglich von den späteren Sätzen überholt. Das ist immer eine sehr spannende Sache im Frühjahr: versucht man frühe Sätze, pflanzt man sie schon aus oder lässt man sie in ihren Töpfchen im Warmen, wo sie dann möglicherweise leiden, weil sie zu groß werden...? Irgendwas entscheidet man immer falsch, aber man kann sich auch von Jahr zu Jahr wieder von der Lebenskraft der Pflanzen beeindrucken lassen. Und inzwischen haben wir gut Fahrt aufgenommen.

Die Trockenheit, bzw. die Bewässerung, zieht uns wie die letzten Jahren regelmäßig auch außerhalb der Arbeitszeit zum Acker. "oh nein, ich muss ja noch die Sprenger umstellen", "kannst du auf deinem Abendspaziergang noch das Wasser ausmachen?" - Jochen, der Wassermeister hat alles im Blick.

Ich war probierte mich derweil als Webmeister und tüftelte des Morgens an der Gestaltung und den Inhalten der neuen Website, die nun endlich fertig und ein kleiner Meilenstein in der Geschichte des Auenhofs ist. Bis jetzt waren wir immer noch von Micha abhängig, denn nur er konnte die alte Website händeln, war aber schon Anfang 2017 am Auenhof weg gegangen. Nun, dies war ein Projekt das sich für meinen Geschmack viel zu lange hin gezogen hat, und mich kribbelt's, dass auch ich jetzt regelmäßig auf dem Acker stehen kann.

Ein anderer Meilenstein in unserer Geschichte ist, dass wir nun unsere ersten Flächen kaufen konnten. Sie sind zwar so klein, dass wir auf ihnen beiweitem noch nicht unsere Existenz gründen und unsere Ziele von lebendigen, von Bäumen und Hecken strukturierten, kleinteiligen Feldern verwirklichen können, aber es ist ein Anfang. Die Situation auf unserer jetzigen Pachtfläche ist noch immer ungewiss...

Aber, naja, wir bleiben dran. Wie immer...