Stand 04/2020

Wie finanziert sich die SoLawi genau? Was ist eine Bieterrunde?
Die Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLawi) ist eine Wirtschaftsform, in der BäuerInnen und AbnehmerInnen kooperieren. Vor Beginn des Wirtschaftsjahres werden von uns die Kosten für den Gemüseanbau für ein Jahr errechnet und auf der Jahresvollversammlung vorgestellt. Darein fließen z.B. die Gehälter, Saatgut, Pacht, Material, Geräte, Kosten für die Lieferung etc. Daraufhin findet die sogenannte Bieterrunde statt. Hier wird mit allen Mitgliedern gemeinsam versucht, das Budget abzudecken: aus dem Jahresbudget errechnen wir einen Mittelwert für den einzelnen Ernteanteil, den sogenannten Richtwert. Wenn die Mitglieder diesen kennen, bestimmen sie ihren Beitrag selbst: je nach finanziellen Möglichkeiten kann jeder auch mehr oder auch weniger geben. Uns ist im Prinzip egal, was die/der Einzelne zahlt: unser Ziel ist es, dass unser Jahresbudget gemeinsam gedeckt wird, z.B. indem sich höhere und niedrigere Beiträge ausgleichen. Die Teilnahme an der Bieterrunde ist für den solidarischen Kerngedanken eine wichtige Grundlage.

Wie teuer ist die Mitgliedschaft in der SoLawi?
Euren Mitgliedsbeitrag bestimmt ihr selbst in der jährlichen Bieterrunde (s.o.). Im Jahr 2020 liegt der Richtwert bei 75€. Die Höhe des Richtwertes variiert von Jahr zu Jahr aufgrund der sich verändernden Investitionen, laufenden Ausgaben und Personalkosten. Wir lernen auch dazu ;-) dieses Jahr haben wir z.B. sowohl die Größe der Gemüsemengen als auch den Richtwert verringert. Wie oben beschrieben soll es in jedem Fall jedem/r TeilnehmerIn ermöglicht werden, einen für ihn/sie leistbaren Beitrag zu zahlen.

Wie lange gilt eine Mitgliedschaft?
Die Mitgliedschaft gilt immer für ein Jahr, und zwar vom 1. Mai bis zum 30. April.

Gibt es eine Probemitgliedschaft?
Neinl. Das widerspricht der SoLawi-Idee, wo Gärtner und Abnehmer sich die Finanzierung bzw. die Abgabe des Gemüses für jeweils ein Jahr verbindlich zusichern. Um sicher zu wirtschaften, wollen wir Gärtner mit einem gesicherten Budget rechnen können. Es ist aber manchmal möglich, einzelne gespendete Anteile zu ergattern, wenn Mitglieder z.B in den Urlaub fahren. Schreibt uns deswegen an.

Was ist, wenn ich früher austreten will/muss?
Dann musst du eigenständig einen "Nachmieter" für den Rest des Wirtschaftsjahres finden. Wir führen eine Warteliste und helfen dir dabei.

Wie groß ist ein Ernteanteil?
Ein Anteil soll grob für ein Paar, das gern kocht, reichen. Dies kann man jedoch kaum kalkulieren, da die Koch- und Essgewohnheiten der Mitglieder sehr unterschiedlich sind. Grundsätzlich hängt die Menge und Art des Gemüses zudem sehr stark von der Saison ab. Auch Ernteausfälle einzelner Kulturen aufgrund von Witterungsverhältnissen oder anderen Unwägbarkeiten sind möglich. Fest steht, dass sich eure Essgewohnheiten der Versorgung mit unserem saisonal verfügbaren Gemüse anpassen, da es naturgemäß zu bestimmten Zeiten viel Blattgemüse, zu anderen Zeiten viel Wurzel- und Lagergemüse gibt. Daneben gibt es im Sommer und Frühherbst eine große Vielfalt an Gemüsearten vom Acker zu ernten, während es im Winter und zeitigem Frühjahr in erster Linie Lagerware gibt, da es draußen karg ist und die Vegetation stillsteht. Vorratshaltung wird wieder angesagter. Außerdem ist der Effekt nicht zu unterschätzen, dass man sich durch eine konsequent regionale und saisonale Gemüseversorgung um so mehr über Tomaten im Sommer und den Feldsalat im Winter freut. Wir versuchen natürlich, möglichst keine Lieferpausen entstehen zu lassen, was vom Gelingen unserer Gemüselagerung und der Witterung abhängt. Beispiele für Anteile im Juli und Februar aus dem Jahr 2016/17:

2_gemuese.jpg

3_gemuese.jpg

Was ist der Unterschied zu einer Abo-Kiste?
Das Prinzip der Solawi unterscheidet sich grundlegend von der Idee eines Gemüse-Abos. Hinter einer Solawi steht das Ideal einer solidarischen Gemeinschaft, in der die Mitglieder "ihren" Hof gemeinsam wirtschaftlich tragen, während der Hof sie dafür mit hofeigenem Gemüse versorgt. Eine Abo-Kiste dagegen ist vielmehr ein Service, der seinen Kunden neben eigenen Produkten auch zugekaufte Waren aus industrieller (bio-)landwirtschaftlicher Produktion verkauft, oft sogar nach Wahl. Dabei steht die Dienstleistung im Vordergrund, nicht so sehr die Beziehung zum Hof. Wie oben genannt ist das Gemüse in der Solawi rein saisonal.

Gibt es auch halbe Ernteanteile?
Nein, aber es spricht nichts dagegen, sich selbstorganisiert einen Anteil zu teilen.

Ist das Gemüse alles vom eigenen Hof?
Im Prinzip kommt alles, was wir liefern, von den beiden Höfen Karolinengarten und Auenhof. Die Depots bekommen einen Lieferschein, auf dem genau aufgelistet ist, was von wem kommt. Selten können Ernteausfälle z.B. durch befreundete, ähnlich arbeitende, Höfe kompensiert werden. So geschehen zum Beispiel 2016 durch Überschüsse der Solawi Volzendorf - unsere Pastinaken waren ausgefallen. Wir tauschten gegen ...ja was eigentlich? Sellerie.

Ist das Gemüse alles bio?
Jein. Der Auenhof arbeitet bio-dynamisch (assoziiert mit der Marke "demeter"), sind aber nicht zertifiziert. Statt staatlicher Kontrollstellen übernehmen die Mitglieder selbst die Qualitätsprüfung, indem sie eine Beziehung zum Hof herstellen und selbst die Bedingungen des Anbaus sehen und schmecken können.

Habt ihr auch Tiere?
Wir haben 2 Katzen ;-)

Produziert oder benutzt ihr tierische Produkte und Dünger?
Wir werden in den nächsten Jahren voraussichtlich keine tierischen Produkte anbieten, können uns aber vorstellen, dies irgendwann zu tun, zum Beispiel auch durch Kooperationen. Schon jetzt können z.B. unsere Mitglieder auch Honig unserer Nachbarn in den Depots bekommen.
Wir sind keine biovegane Landwirtschaft. Wir wirtschaften biologisch-dynamisch, was bedeutet, dass wir für die Bodenfruchtbarkeit und den Humusaufbau tierische Dünger wie Stallmist einsetzen.

Gibt es auch Obst?
Bislang haben wir feldverträgliche Kulturen wie Erdbeeren, Rhabarber und Physalis. Das sind Obstkulturen, die sich leicht auf Gemüseflächen anbauen lassen. Da wir leider (noch) nicht lange und auch lange nicht genug eigene Flächen haben, können wir bis jetzt noch keine langfristigen Früchte wie Strauchobst und Baumobst anbauen vom eigenen Hof anbieten. Wir haben jedoch seit 2018 eine Absprache mit dem Nabu Westhavelland, der uns eine wenig genutzte Strezuobstwiese beernten lässt, so kommen die Mitglieder wenigstens zu Äpfeln, Birnen, ggf auf Pflaumen. Auf lange Sicht möchten wir natürlich selbst Bäume pflanzen.

...und andere Produkte?
Wie gesagt, zumindest an Honig aus Parey könnt ihr in den Depots kommen.

Wohin und wie oft wird geliefert?
Wir liefern einmal wöchentlich nach Berlin in 4 Depots in Neukölln, Wedding und Friedenau. Um Kontakt zu euren Stadtteilgruppen zu bekommen, meldet euch bitte bei uns. Daneben haben wir Anteile in der Region vergeben, die am Auenhof bzw im Karolinengarten abgeholt werden können. Wir wünschen uns tatsächlich auch in der Region viel mehr Beteiligung, allerdings gestaltet sich der Ausbau der SoLawi regional schwierig.

Wie wird das Gemüse unter den Mitgliedern aufgeteilt?
Wir packen in der Regel keine Einzelkisten. Die Verteilung organisieren die Mitglieder untereinander. Euch ist freigestellt, ob ihr das Gemüse nach Anteilen genau aufteilt oder nach dem Prinzip "jeder nimmt, was er braucht" vorgeht. Bitte wendet euch für genauere Details an den Verantwortlichen eures Depots.

Ist die Mithilfe auf dem Hof verpflichtend?
Bei uns gibt es keine Pflicht zur Mithilfe. Allerdings gehört die enge Beziehung der Mitglieder zum Hof ausdrücklich zu unserer Idee, und wir wünschen uns auch euren tatkräftigen Einsatz. Den könnt ihr bei Mitmachtagen, -wochenenden und eigeninitiativen Besuchen oder z.B. bei Hoffesten verwirklichen.

Was kann ich sonst einbringen?
Außer der Zusage, ein Jahr lang deinen finanziellen Beitrag zu leisten und zu Beginn des Wirtschaftjahres an der Vollversammlung und Bieterrunde teilzunehmen, habt ihr keine Voraussetzungen zu erfüllen. Trotzdem basiert das Prinzip SoLawi darauf, dass viele Hände gemeinsam etwas schaffen, und die Organisation und Verteilung des Gemüses ergreifen - genau den Teil, den sonst Groß- und Einzelhandel übernehmen um ihren Gewinn zu erzielen. Insofern ist immer Engagement beim Betreuen der Depots, bei der Kommunikation, Werbung neuer Mitglieder, der Organisation gemeinsamer Aktionen etc. gefragt. Was kannst du besonders gut?

Und wie werde ich jetzt Mitglied?
Melde dich bei uns! Du kannst entweder direkt einsteigen, oder einen Platz auf der Warteliste bekommen.